Mit dem Beschluss aus Brüssel soll den Landwirten bis zu 80 Prozent der zusätzlichen Kosten für den Kauf von Düngemitteln erstattet werden

Asociatyvi nuotr.

Am Dienstag hat das Europäische Parlament Maßnahmen verabschiedet, die die Auswirkungen des Anstiegs der Düngemittelpreise auf die Landwirte in der Europäischen Union abmildern sollen, wie der Kommunikationsdienst des Europäischen Parlaments mitteilte.

Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments haben offenbar beschlossen, die von der Europäischen Kommission vorgeschlagenen Änderungen an der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) vorzuziehen, um sicherzustellen, dass die Landwirte rechtzeitig Unterstützung für den Kauf von Düngemitteln für die nächste Anbausaison erhalten.

„Agroitė“ erinnert daran, dass die Europäische Kommission ein befristetes Hilfspaket im Wert von rund 540 Millionen Euro vorgeschlagen hat, das aus den bestehenden GAP-Mitteln finanziert werden soll, ohne dass ein neues Budget geschaffen wird. Es ist vorgesehen, dass die Mitgliedstaaten gezielte Hilfen an Landwirte vergeben können, deren Produktionskosten aufgrund des Düngemittelpreisanstiegs am stärksten gestiegen sind.

Damit soll einem Rückgang der Produktions- und Lebensmittelqualität sowie einem Preisanstieg für die Verbraucher vorgebeugt werden. Gemäß dem Beschluss des Europäischen Parlaments sollen Landwirte Liquiditätshilfen in Höhe von bis zu 80 % ihrer zusätzlichen Düngemittelkosten erhalten können. Das heißt, wenn die Ausgaben der Landwirte für Düngemittel gestiegen sind, wird dieser Anteil bis zu 80 % erstattet.

Die EU-Mitgliedstaaten haben zudem die Möglichkeit, die Vorauszahlungen auf Direktzahlungen von 70 % auf 75 % zu erhöhen und diese an die betroffenen Landwirte unmittelbar nach Einreichung ihrer Anträge auszuzahlen (und nicht erst nach dem 16. Oktober, wie es nach den derzeitigen Vorschriften vorgesehen ist).

Die Mitgliedstaaten erhalten zudem mehr Flexibilität bei der Anpassung ihrer Budgets für Direktzahlungen im kommenden Jahr.

Die von der Kommission vorgeschlagenen Regelungen wurden mit 576 Ja-Stimmen, 62 Nein-Stimmen und 15 Enthaltungen angenommen.

Der nun vom Europäischen Parlament gefasste Beschluss muss noch vom Rat offiziell bestätigt und im Amtsblatt veröffentlicht werden, damit er am Tag nach der Veröffentlichung in Kraft treten kann.

Die Düngemittelpreise wirken sich direkt auf die Lebensmittelproduktion aus, da Düngemittel bis zu 16 % der Kosten der Landwirte ausmachen.

Die EU importiert 30 % der Stickstoffdünger und 70 % der Phosphatdünger, die in der landwirtschaftlichen Produktion verwendet werden. Gleichzeitig ist die Düngemittelproduktion in der EU von Erdgas abhängig. Aufgrund der jüngsten geopolitischen Ereignisse, wie beispielsweise Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine und, ganz aktuell, die Lage im Nahen Osten, insbesondere die Sperrung der Straße von Hormus, steigen sowohl die Düngemittel- als auch die Energiepreise.

Die Situation wird noch dadurch verschärft, dass der Markt für Stickstoffdünger weiterhin in hohem Maße von den weltweiten Rohstoffströmen abhängig ist. Nach Angaben von Analysten kosteten Stickstoffdünger die europäischen Landwirte im April 2026 etwa 71 Prozent mehr als im Durchschnitt des Jahres 2024, und allein innerhalb von zwei Monaten waren die Preise um rund 40 Prozent in die Höhe geschnellt. Dieser Anstieg war vor allem auf Störungen in den weltweiten Lieferketten für Ammoniak und Harnstoff zurückzuführen.

In den letzten Jahren bemüht sich die Europäische Union zudem, ihre Abhängigkeit von russischen Düngemitteln zu verringern. Im Jahr 2023 entfielen mehr als 70 Prozent des Düngemittelverbrauchs in der EU auf Stickstoffdünger, wobei Russland etwa ein Viertel der Importe lieferte, deren Wert sich auf rund 1,3 Milliarden Euro belief. Aus diesem Grund hatte die Gemeinschaft bereits zuvor beschlossen, schrittweise besonders hohe Zölle auf russische und belarussische Düngemittel zu erheben, um die Diversifizierung der Lieferquellen und den Ausbau der heimischen Produktion zu fördern.

Video