Ein Überschuss von Millionen Tonnen Kartoffeln treibt die polnischen und litauischen Betriebe in den Abgrund
Der Kartoffelsektor in Litauen befindet sich in einer der schlimmsten Krisen seit Jahrzehnten, und ein Überangebot auf dem Markt droht, ganze Betriebe zu vernichten.
Aktuellen Zahlen zufolge lagern derzeit zwischen 700.000 und sogar 1 Million Tonnen unverkaufter Kartoffeln, was für viele Landwirte eine reale Bedrohung für den Bankrott darstellt.
Zusätzlich erschwert wird die Situation durch einen europaweiten Überschuss von rund 3,3 Millionen Tonnen allein in den großen vier Ländern (Niederlande, Belgien, Deutschland und Frankreich), der die Preise auf dem gesamten Kontinent unter Druck setzt.
Die Krise in Polen und Litauen wurde stark von den gestiegenen Kartoffelimporten aus anderen EU-Ländern beeinflusst.
Nach Angaben des polnischen Kartoffelverbands wurde der Markt durch die Produktion aus Westeuropa überschwemmt, die nach Polen umgeleitet wurde, da die Nachfrage auf anderen Märkten gesunken ist. Infolgedessen sind die einheimischen Landwirte gezwungen, mit billigeren Importen zu konkurrieren, und die Supermärkte machen sich die Situation zunutze, indem sie die Einkaufspreise senken.
In einigen Fällen sind die Preise so weit gesunken, dass die Landwirtschaft nicht mehr rentabel ist, und in einigen Teilen Europas geben die Landwirte ihre Erzeugnisse sogar kostenlos ab oder zahlen für deren Entsorgung. Dies zeigt, dass der Markt das Überangebot nicht mehr aufnehmen kann.
Paradoxerweise ist die Krise teilweise auf gute Ernten zurückzuführen. In Polen betrug die Kartoffelernte rund 7 Millionen Tonnen, ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig geht jedoch der Verbrauch zurück – der Pro-Kopf-Verbrauch von Kartoffeln ist in den letzten Jahrzehnten aufgrund veränderter Ernährungsgewohnheiten deutlich zurückgegangen. Das bedeutet, dass der heimische Markt diese Produktionsmenge nicht mehr aufnehmen kann und die Exportmöglichkeiten begrenzt bleiben.
Die Krise offenbart auch strukturelle Probleme wie eine unzureichende Lagerinfrastruktur, die Abhängigkeit von Vermarktungsnetzen und eine schwache Integration des Verarbeitungssektors.
Als Reaktion auf die Situation planen die polnischen Behörden Investitionen in Höhe von rund 41 Mio. Zloty (etwa 9-10 Mio. €) allein in die Lagerinfrastruktur, wobei ein Potenzial von über 1 Mrd. € für weitergehende Unterstützungsmaßnahmen besteht. Wirtschaftsexperten betonen jedoch, dass Finanzhilfen allein das Problem nicht lösen werden, solange Angebot und Nachfrage nicht europaweit ausgeglichen sind.
Diese Situation hat weiterreichende Auswirkungen auf die Region. Polen ist einer der größten Kartoffelerzeuger Europas, und seine Marktschwankungen wirken sich auf die Nachbarländer, einschließlich Litauen, aus. Wenn die Preise in Polen sinken, gelangt auch billigere Produktion auf den litauischen Markt, was die Wettbewerbsfähigkeit der lokalen Landwirte verringert. Dies stellt nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine soziale Herausforderung dar, da die Einkommen der Landwirte und die Arbeitsplätze in den ländlichen Gebieten sinken können.