Statt einer Rettungsleine, neue Fragen: Was passiert mit ILTE?
Das öffentliche Finanzinstitut ILTE hat ein neues 40-Millionen-Euro-Darlehensprogramm für Landwirte aufgelegt, doch damit stellen sich nicht nur Fragen zur Verfügbarkeit von Finanzmitteln, sondern auch zu den Grundsätzen des Instituts selbst. Angesichts von Marktsignalen, die darauf hindeuten, dass die Landwirte vor dem Start des Programms möglicherweise ermutigt wurden, keine Bankkredite in Anspruch zu nehmen, stellt sich die Frage: Handelt der Staat als Vermittler oder wird er selbst zum Marktteilnehmer und nimmt Einfluss auf Entscheidungen?
Gerichte statt Hilfe?
Die Debatte über die Rolle der ILTE ist aufgrund der bisherigen Erfahrungen heftig. Ignas Jankauskas, Finanzexperte und Leiter von MB „Skaičiai žemdirbiams“, sagt, dass in den letzten Jahren mehr als ein Landwirt mit Situationen konfrontiert wurde, in denen die Hilfe in Rechtsstreitigkeiten umschlug.
Interessenkonflikt oder Hilfe?
I. Jankauskas will mindestens einen konkreten Fall kennengelernt haben, in dem einem Landwirt geraten wurde, die damals auf dem Markt erhältlichen Darlehen nicht in Anspruch zu nehmen und auf ein von der ILTĖ angebotenes Produkt zu warten.
„Es wurde empfohlen, keinen Kredit mit Zinsausgleich aufzunehmen, sondern auf ihr Produkt zu warten. Das ist in gewisser Weise ein Interessenkonflikt, denn man gibt sowohl Garantien als auch Kredite, sagt er.
Obwohl es sich hier um einen unbestätigten Einzelfall handelt, stellt sich die Frage: Sollte eine Behörde nicht neutral bleiben?
Politiker reagieren unterschiedlich auf diese Bedenken. Der Seimas-Abgeordnete Valius Ąžuolas sieht hier kein Problem – im Gegenteil, er sieht ein solches Vorgehen als Hilfe an.
„Wenn ein Sektor in Schwierigkeiten ist, ist es natürlich zu sagen – warte auf bessere Bedingungen. Wenn die ILTE auf diese Weise kommuniziert hat, hat sie gut gearbeitet“, – sagt er. Das Ziel einer öffentlichen Finanzinstitution ist es, die bestmöglichen Bedingungen für Unternehmen zu bieten, auch wenn das bedeutet, eine aktivere Rolle auf dem Markt zu spielen, sagte der Abgeordnete.
Experten weisen jedoch auf einen anderen Aspekt hin – die ILTE nimmt mehrere Aufgaben gleichzeitig wahr: Sie legt Regeln fest, stellt Garantien bereit und beginnt, direkt Kredite zu vergeben. Dies wirft die Frage auf, ob das Risiko eines Interessenkonflikts in einer solchen Situation vermieden werden kann.
Ministerium sieht kein Problem
Das Finanzministerium, das die Aktivitäten der ILTE beaufsichtigt, gibt an, dass ihm keine Informationen über mögliche Versuche der Marktbeeinflussung vorliegen. Es wird auch betont, dass eine zusätzliche Bewertung der Aktivitäten der ILTE nur im Falle eines begründeten Verdachts erfolgen würde, wofür es aber derzeit keine Grundlage sieht. Gleichzeitig wird betont, dass die ILTE als nationale Förderbank bei Finanzierungsengpässen am Markt auf andere Finanzierungsformen zurückgreifen kann.
Die größte Veränderung auf dem Markt in der letzten Zeit ist nach Ansicht von I. Jankauskas jedoch der starke Rückgang bei der Bereitstellung von Garantien.
„Die Bereitstellung von Bürgschaften ist auf einem historischen Tiefstand. Die Frage ist, ob es jetzt noch schlimmer wird“, – fragt er sich. Die Landwirte, so sagt er, stehen heute vor der schwierigen Wahl zwischen einem garantierten Bankkredit und einem von ILTE angebotenen Produkt, dessen Konditionen zwar attraktiv sind, aber auch ihre Nachteile haben. Der eine ist die gleiche kurze Laufzeit des Kredits, der andere sind finanzielle Indikatoren, die für die Landwirtschaft nicht ganz geeignet sind.
>Werden die Wettbewerbsregeln verletzt oder nicht?
Zusätzlichen Kontext liefert der Wettbewerbsrat, der die Maßnahme selbst bewertet hat. Laut Eglė Malonytė, Leiterin der Gruppe Wettbewerbspolitik des Wettbewerbsrats, verstößt die neue Darlehensregelung nicht formell gegen die Wettbewerbsregeln, da sie nur für Fälle vorgesehen ist, in denen auf dem Markt keine Finanzmittel zur Verfügung stehen.
„Solche Kunden müssen eine Bescheinigung des Finanzinstituts vorlegen, dass keine Finanzierung möglich ist, da diese Darlehen nicht dazu gedacht sind, mit Banken oder anderen Finanzinstituten zu konkurrieren“, – sagt sie. Gleichzeitig weist die Behörde jedoch auf einen anderen wichtigen Aspekt hin: Die Rolle des Staates auf dem Markt muss äußerst zurückhaltend sein.
„Die Behörden müssen mögliche Interessenkonflikte vermeiden und die Gleichbehandlung der Marktteilnehmer sicherstellen“, – betont E. Malonytė.
Mit anderen Worten: Obwohl die Maßnahme an sich als rechtmäßig angesehen wird, bleibt die Frage der Umsetzungspraktiken und der Kommunikation auf dem Markt offen.