Die Getreidemärkte stehen weiterhin unter dem Druck der Erwartungen hinsichtlich Krieg und Frieden in der Ukraine: Die Weizenpreise in Europa sind gesunken
Die Weizenpreise an der europäischen Börse sind in der vergangenen Woche weiter gesunken, und Mais folgte diesem Trend. Die Märkte stehen unter dem Druck der Erwartungen hinsichtlich eines möglichen Friedensabkommens zwischen Russland und der Ukraine, obwohl nach den Besuchen der US-Vertreter Steve Witkoff und Jared Kushner in Moskau und Kiew bislang keine konkreten Veränderungen der Lage zu erkennen sind. Gleichzeitig bleiben die Getreideexporte über die wichtigsten Schwarzmeerhäfen weiterhin gestört.
Die Weizenpreise in Europa sinken weiter
Wie die deutsche Presse berichtet, sind die Weizenpreise am Freitag erneut gesunken. Dies war der zweite deutliche Rückgang in Folge nach dem starken Preisverfall, der am Donnerstag zum Handelsschluss verzeichnet wurde.
Auslöser für diese Marktentwicklung war die Erklärung des russischen Präsidenten Wladimir Putin über die Möglichkeit, ein Friedensabkommen in der Ukraine zu erzielen. Diese Nachricht bremste den bis dahin anhaltenden Aufwärtstrend der Weizenpreise und kehrte ihn um, trotz der gleichzeitig stattfindenden intensiven Angriffe Russlands und der Ukraine auf die Hafeninfrastruktur.
Am Freitag fiel der Preis für den Dezember-Weizenkontrakt an der Chicagoer Börse um 20 Cent – auf 734 Cent pro Scheffel. Dieser Rückgang übte auch Druck auf den europäischen Markt aus.
Der Preis des Weizenkontrakts für Dezember sank um 2,50 Euro – auf 246,25 Euro pro Tonne. Der Kontrakt für März 2027 verlor 3,75 Euro an Wert – auf 244,50 Euro pro Tonne.
Exportstörungen verändern die globalen Handelsströme
Trotz der an den Märkten vorherrschenden Hoffnungen auf Frieden bleibt die tatsächliche Lage in der Schwarzmeerregion weiterhin komplex. Die rückläufigen Getreideexporte aus Russland und der Ukraine zwingen die Käufer dazu, nach alternativen Bezugsquellen zu suchen.
Auf den asiatischen Märkten verlagert sich die Nachfrage zunehmend in Richtung der südlichen Hemisphäre – insbesondere nach Argentinien und Australien. Gleichzeitig wenden sich Käufer aus Nordafrika und dem Nahen Osten immer häufiger Westeuropa zu.
Das bedeutet, dass jegliche Veränderungen in der Schwarzmeerregion erhebliche Auswirkungen auf den weltweiten Getreidehandel haben können. Sollten die Exporte aus den russischen und ukrainischen Häfen in größerem Umfang wieder aufgenommen werden, könnte es zu einem zusätzlichen Angebot auf dem Markt kommen, was Druck auf die Preise ausüben würde.
Das Augenmerk richtet sich auch auf die Ernte in Argentinien
Getreidehändler beobachten zudem aufmerksam die Lage in Argentinien. Nach Einschätzung der Getreidebörse des Landes ist der Anteil der Weizenbestände in „gut bis sehr gutem“ Zustand für die kommende Ernte um 12 Prozentpunkte auf 62 Prozent gesunken.
Im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres ist der Unterschied noch größer: Damals wurden etwa 79 Prozent der Weizenbestände als in „gut bis ausgezeichnetem“ Zustand eingestuft.
Dies könnte zu einem zusätzlichen Faktor auf dem globalen Weizenmarkt werden, insbesondere falls die Exportstörungen in der Schwarzmeerregion andauern sollten. Das Augenmerk richtet sich verstärkt auf den europäischen Markt und geopolitische Signale aus Russland und der Ukraine.
Die Besuche der US-Gesandten brachten keinen Durchbruch
Große Aufmerksamkeit erregten die Besuche der US-Vertreter Steve Witkoff und Jared Kushner. Am Samstag besuchten sie Moskau und trafen sich mit Wladimir Putin, am Sonntag in Kiew mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.
Bislang gibt es jedoch keine eindeutigen Anzeichen dafür, dass diese Treffen die Lage vor Ort grundlegend verändert oder den Weg für eine konkrete Einigung geebnet hätten.
Daher herrscht auf den Getreidemärkten weiterhin große Unsicherheit. Einerseits drückt die Aussicht auf ein Friedensabkommen die Preise für Weizen und andere Getreidesorten nach unten. Andererseits schränken tatsächliche Exportstörungen und das anhaltende Risiko einer Blockade der Schwarzmeerhäfen das Angebot auf dem Weltmarkt ein.
In den kommenden Tagen wird die Entwicklung auf den Getreidemärkten vor allem von zwei Faktoren bestimmt werden – neuen geopolitischen Signalen zum Krieg zwischen Russland und der Ukraine sowie der tatsächlichen Lage bei den Exporten über die Schwarzmeerhäfen.