Die Getreideernte wird zum wirtschaftlichen Test: Warum erzielen manche Betriebe Gewinne, andere hingegen nicht?

D. Valaitis.

Nach Ansicht von Experten aus dem Agrarsektor hängt der Erfolg landwirtschaftlicher Betriebe heutzutage immer häufiger von der Fähigkeit ab, die verfügbaren Ressourcen effizient zu verwalten, fortschrittliche Technologien einzusetzen und fundierte Investitionsentscheidungen zu treffen.

Laut Dangis Valaitis hat sich die litauische Landwirtschaft in den letzten zwei Jahrzehnten grundlegend verändert: „Wenn wir die 90er Jahre betrachten, konnte eine Person 20–40 Hektar bewirtschaften, während es in einem modernen landwirtschaftlichen Betrieb heute 150–250 Hektar sind.“&“

Diese Veränderung spiegelt nicht nur den Fortschritt in Technik und Technologie wider. Sie zeigt, wie sich die Einstellung der landwirtschaftlichen Betriebe zu Effizienz, Planung und Investitionen gewandelt hat.

Die diesjährige Getreideernte: Was deuten die ersten Anzeichen an?

Auch wenn die endgültigen Ergebnisse erst nach Saisonende vorliegen werden, lassen die ersten Daten zur Getreideernte bereits eine Einschätzung der wichtigsten Trends zu. Die Situation unterscheidet sich in den verschiedenen Regionen aufgrund unterschiedlicher Niederschlagsmengen, Bodenbedingungen und anderer Faktoren.

„In diesem Jahr hat die Getreideernte im Norden Litauens früher begonnen. In Süd- und Zentrallitauen sieht die Lage gut aus, während die größte Sorge weiterhin Westlitauen gilt, wo die Pflanzen unter Feuchtigkeitsmangel und Frühjahrsfrösten gelitten haben.“

Laut D. Valaitis könnte die gesamte Getreideernte des Landes ähnlich oder etwas höher ausfallen als im Vorjahr. „Derzeit ist davon auszugehen, dass wir in Litauen eine ähnliche oder bis zu 5 Prozent höhere Ernte als im Vorjahr erzielen werden. Das größte Potenzial wird bei den Getreidekulturen erwartet.

Das tatsächliche Ergebnis wird sich jedoch am erzielten Betriebsgewinn zeigen, und darauf haben nicht nur die Erntearbeiten Einfluss, sondern auch alle zuvor getroffenen Entscheidungen.

Getreideernte – das Ergebnis von Entscheidungen

Laut D. Valaitis werden nicht jene Betriebe die besten Ergebnisse erzielen, die Glück mit dem Wetter hatten, sondern jene, die sich angemessen auf die Saison vorbereitet haben. Von großer Bedeutung waren eine durchdachte Fruchtfolge, der Einsatz moderner Technologien, ausreichende technische Kapazitäten sowie die Möglichkeit, Aussaat- und Pflanzenschutzarbeiten rechtzeitig durchzuführen.

„In diesem Jahr gab es mehr als eine Situation, in der die wichtigsten Arbeiten innerhalb extrem kurzer Zeit erledigt werden mussten. Bei der Getreideernte sehen wir dasselbe: ein paar Tage Sonnenschein, dann wieder Regen. Deshalb sind jene Betriebe im Vorteil, die die Ernte schnell einbringen können und über ausreichende technische Kapazitäten sowie Getreidetrocknungskapazitäten verfügen. Über den endgültigen Ertrag werden wir erst in einem Monat sprechen, aber schon heute können wir beurteilen, ob alle Entscheidungen vor der Getreideernte richtig getroffen wurden.“

Die endgültigen Produktionskosten hängen auch davon ab, wann und zu welchen Preisen Düngemittel und Pflanzenschutzmittel gekauft wurden und wie genau und effektiv diese auf den Feldern eingesetzt wurden.

Die Rentabilität hängt nicht von der Hektarzahl ab

Oft wird angenommen, dass nur eine große Betriebsgröße einen Wettbewerbsvorteil sichert. Die Praxis zeigt jedoch, dass dies nicht mehr der entscheidende Erfolgsfaktor ist. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass die steigenden Kosten für Technik, Düngemittel, Energie und Arbeitskräfte die Betriebe dazu zwingen, ihre Entscheidungen viel sorgfältiger abzuwägen.

Wer verdient heute Geld? Der Betrieb, der in Produktivität investiert, die Mitarbeiterzahl reduziert, auf Präzision umgestellt und begonnen hat, nach Karten zu arbeiten. Investitionen in Maschinen müssen zudem sehr genau kalkuliert werden: „Stillstehende Maschinen schaffen keinen Wert. Sie verlieren an Wert, es fallen Leasingzahlungen an, daher muss jede Investition den tatsächlichen Bedürfnissen des Betriebs entsprechen.“&“

In den letzten Jahren sind die Preise für Landmaschinen um etwa 30 Prozent gestiegen, und auf dem Düngemittelmarkt sahen sich die Landwirte mit extrem starken Preisschwankungen konfrontiert. „Als die Getreidepreise auf etwa 190 Euro pro Tonne gefallen waren, wurde die Rentabilität für viele Betriebe zu einer ernsthaften Herausforderung. In den letzten Monaten haben sich die Preise auf etwa 245 Euro pro Tonne erholt, sodass die Stimmung auf dem Markt etwas optimistischer ist.“

Technologie wird zur Notwendigkeit

In modernen landwirtschaftlichen Betrieben ist Technologie kein Wettbewerbsvorteil mehr, sondern eine unverzichtbare Voraussetzung für effizientes Arbeiten. Immer häufiger kommen Lösungen für die Präzisionslandwirtschaft, automatische Lenksysteme, Satellitendaten, Feldkarten und verschiedene Analysewerkzeuge zum Einsatz.

Automatische Lenksysteme, die vor zwei Jahrzehnten noch eine Seltenheit waren, sind heute ein fester Bestandteil moderner Technik und ermöglichen es, Überlappungen zu reduzieren, bis zu 15 Prozent der Arbeitszeit sowie etwa 10 Prozent der Kraftstoffkosten einzusparen.

Laut D. Valaitis sind jedoch die von den Technologien generierten Informationen noch wichtiger als die Technologien selbst. Ertragskarten ermöglichen eine sehr genaue Einschätzung des Potenzials jedes einzelnen Feldes. Auf der Grundlage dieser Daten treffen Landwirte Entscheidungen über Düngung, Aussaat oder andere agronomische Maßnahmen und stellen manchmal fest, dass sich die Bewirtschaftung bestimmter Flächen schlichtweg nicht lohnt.

Mähdrescher, Traktoren und andere Maschinen sind heute längst nicht mehr nur Arbeitsgeräte, sondern auch Plattformen zur Erfassung großer Datenmengen.

„Die Datenerfassung ist eine der Hauptaufgaben eines landwirtschaftlichen Betriebs. Wenn wir diese Daten heute nicht nutzen und nicht wissen, wie wir sie einsetzen sollen, wird künstliche Intelligenz in einigen Jahren alles analysieren und Lösungen vorschlagen“, sagt er.

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