Wirtschaftswissenschaftler: Gestiegene Düngemittelpreise und andere Gefahren für die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft

Vismantas Žukas.

Der Agrarsektor des Landes sieht sich einem immer größeren Rentabilitätsdruck ausgesetzt. In den letzten Jahren sind die Düngemittelpreise schneller gestiegen als die Getreidepreise, und im Frühjahr erreichte dieses Preisverhältnis insgesamt seinen Höchststand. Obwohl der Getreidepreis im August wieder deutlich gestiegen ist und sich der Düngemittelmarkt stabilisiert hat, könnte der weiterhin rasant steigende Gaspreis die Situation erneut verschärfen. Düngemittel machen in der Regel etwa 30–40 Prozent der gesamten Produktionskosten von Ackerbaubetrieben aus, doch auch andere wichtige Kostenkategorien – Chemikalien, Kraftstoff und Strom – sind teurer geworden. Daher sind die sinkenden Gewinne der litauischen landwirtschaftlichen Betriebe nicht allein eine Folge des jüngsten Energiepreisschocks, sondern vielmehr ein langfristiger Trend.

Zunehmender Preisdruck

Der seit Jahresbeginn andauernde Konflikt im Nahen Osten hat die weltweiten Handelsströme erheblich beeinflusst und die Unsicherheit bei den Rohstoffpreisen erhöht. Obwohl weder Litauen noch die Europäische Union (EU) durch besonders enge wirtschaftliche Verbindungen mit der Region des Nahen Ostens verbunden sind, und die europäischen Produktionskapazitäten für Düngemittel nach wie vor bedeutend sind, gibt es auf den globalen Rohstoffmärkten kaum noch lokale und regionale Grenzen. Bei Störungen in den Lieferketten wirken sich Preisänderungen schnell auf alle Märkte aus.

Nach Angaben vom August lagen die Preise für Stickstoffdünger in Europa um 12 % höher als zu Jahresbeginn und sind derzeit deutlich niedriger als auf ihrem Höchststand im April. Besorgniserregend ist jedoch der Erdgaspreis – er hat sich seit Jahresbeginn fast verdoppelt. Da Erdgas bis zu 60–80 % der Herstellungskosten von Stickstoffdüngern ausmachen kann, wirkt sich der Preisanstieg direkt auch auf die Düngemittel aus.

Derzeit werden die Landwirte durch die gestiegenen Getreidepreise entlastet – der Preis für Weizen ist seit Jahresbeginn um 27 Prozent gestiegen, der für Raps um 23 Prozent. Allerdings lassen die aktuellen Marktprognosen kein nennenswertes weiteres Wachstum erwarten, und das Risiko eines Anstiegs der Düngemittelpreise ist groß.

Zusätzliche Herausforderungen ergeben sich auch aus regulatorischen Änderungen. Ab 2026 gilt in der EU ein CO₂-Ausgleichsmechanismus, der auch importierte Düngemittel, die unter Umweltbelastung hergestellt wurden, zusätzlich besteuert. Gleichzeitig ändern sich auch die Vorschriften für lokale Hersteller – bis 2034 wird die Menge der kostenlos zugeteilten Emissionszertifikate schrittweise reduziert. Das bedeutet, dass Preissteigerungen in Zukunft sowohl bei importierten als auch bei in der EU hergestellten Düngemitteln spürbar sein könnten.

Intensiver Pflanzenbau und eine begrenzte Pflanzenvielfalt machen Litauen besonders anfällig

Der litauische Agrarsektor reagiert äußerst empfindlich auf diese Veränderungen und Preisschwankungen. Das Land ist stark auf den Pflanzenbau ausgerichtet und gehört zu den Ländern der EU, die am intensivsten Getreide anbauen und exportieren. Um eine solche Intensität aufrechtzuerhalten, ist eine kontinuierliche Düngung erforderlich, weshalb Litauen zu den Ländern mit dem intensivsten Einsatz von Stickstoffdüngern in ganz Europa zählt und beim Verbrauch pro Hektar nur von Polen übertroffen wird.

Der hohe Bedarf an Stickstoffdüngern ist vor allem auf die Dominanz von Weizen und Raps in der Anbaustruktur zurückzuführen. Diese Kulturen gehören zu den düngemäßigsten, und ihre Anbauflächen haben sich innerhalb von 20 Jahren verdreifacht und nehmen in den letzten Jahren etwa ein Fünftel der Fläche Litauens ein.

Eine solche Spezialisierung der Landwirtschaft ermöglicht in der Regel eine höhere Produktivität, erhöht jedoch gleichzeitig die Abhängigkeit von Düngemitteln, weshalb Preisschwankungen die litauische Landwirtschaft stärker treffen als Länder mit einer größeren Anbaudiversität.

Herausforderungen für die Rentabilität entwickeln sich zu einem langfristigen Trend

Die größte Sorge bereiten heute nicht einzelne Preissprünge, sondern der langfristige Trend. So sind beispielsweise in den letzten 6 Jahren die Weizenpreise in der EU um 20–30 Prozent gestiegen, während sich der Durchschnittspreis für Stickstoffdünger fast um das 2,5-Fache erhöht hat. Ein solcher Preisanstieg ist für die Landwirte äußerst ungünstig, sodass sie die steigenden Kosten auffangen müssen, ohne ausreichende Mehreinnahmen aus ihrer Produktion zu erzielen.

Zusätzlichen Druck üben auch andere Ausgaben aus. Die Preise für Pflanzenschutzmittel, Kraftstoff und Strom sind im gleichen Zeitraum ebenfalls um mehrere zehn Prozent gestiegen. Daher handelt es sich nicht um das Problem einer einzelnen Kostenposition, sondern um einen allgemeinen Anstieg der Produktionskosten in der Landwirtschaft.

Kleine Betriebe leiden am meisten

Eine Möglichkeit, die Kosten zu senken, besteht darin, die landwirtschaftlichen Abläufe effizienter zu gestalten und Düngemittel gezielter einzusetzen. Dazu sind jedoch Investitionen in Technologien, Logistik und Prozessoptimierung erforderlich. Solche Investitionen zahlen sich wirtschaftlich meist erst in größeren Betrieben aus, weshalb gerade diese bessere Möglichkeiten haben, sich an die sich ändernden Bedingungen anzupassen.

Für kleinere Betriebe wird es immer schwieriger, im Wettbewerb zu bestehen. In den letzten zwei Jahrzehnten ist der Anteil der Betriebe, die Getreide auf Flächen von fünf Hektar oder weniger anbauen, landesweit von etwa 25 Prozent auf 5 Prozent gesunken, während Betriebe mit weniger als einem Hektar praktisch verschwunden sind. Ein großer Teil ihrer Flächen wurde an größere Betriebe verpachtet oder verkauft. Sollte der Kostendruck anhalten, könnte sich dieser Konzentrationstrend auch in Zukunft fortsetzen.

Ökologischer Landbau ist keine attraktive Alternative

Eine Möglichkeit, das Risiko sinkender Rentabilität zu verringern, bestünde darin, den Einsatz von Mineraldüngern zu reduzieren und auf eine umweltfreundlichere Bewirtschaftung umzustellen. Dennoch bleiben die Aussichten für Biobetriebe in Litauen derzeit schwierig.

Im Jahr 2025 stammten nur 3,2 Prozent der in Litauen ernteten Getreideerträge aus Biobetrieben. Bei den Hauptkulturen – Weizen und Raps – ist dieser Anteil noch geringer.

Dies ist sowohl auf geografische Gegebenheiten als auch auf wirtschaftliche Faktoren zurückzuführen. Je nach angebauter Kultur sind die Erträge auf Biobetrieben in Litauen im Durchschnitt 2- bis 4-mal geringer als auf Betrieben mit intensiver Landwirtschaft. Zudem sind die Preise für organische Düngemittel in den letzten fünf Jahren in ähnlichem Maße gestiegen wie die für mineralische Düngemittel. Daher könnte sich eine rasche Umstellung auf ökologischen Landbau negativ auf die Lebensmittelpreise auswirken.

Insgesamt betrachtet beruhte die Produktivität der litauischen Landwirtschaft lange Zeit auf einer erfolgreichen Spezialisierung auf einige wenige Hauptkulturen. Doch genau diese Spezialisierung erhöht heute angesichts steigender Kosten die Anfälligkeit des Sektors.

In der Regel finden in der Landwirtschaft keine abrupten strukturellen Veränderungen statt, doch langfristig können nur eine effizientere Ressourcennutzung und eine größere Anbaudiversität dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

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