Rabobank: Der weltweite Milchmarkt tritt in eine neue Phase ein

Karvės. NMA nuotr.

Der weltweite Milchmarkt steht vor einer neuen Phase: Nach einer Phase mit schnellerem Angebotswachstum dürfte sich der Anstieg der Milchproduktion in den wichtigsten Regionen deutlich verlangsamen und im vierten Quartal 2026 sogar in einen Rückgang umschlagen. Dieses Szenario präsentiert die Rabobank in ihrem jüngsten weltweiten Milchmarktbericht. Die Analysten der Bank prognostizieren zudem, dass das Gesamtniveau der Milchproduktion in den großen Exportregionen im ersten Halbjahr 2027 nahezu stabil bleiben wird.

Von einem größeren Angebot – zu größerer Unsicherheit

Nach Einschätzung der Rabobank lässt der weltweite Milchmarkt eine Phase hinter sich, in der das Milchangebot in den wichtigsten Erzeugerregionen relativ schnell gewachsen ist. Das Wachstum der Milchproduktion in den von der Bank beobachteten „Big 7“-Regionen dürfte sich in der zweiten Jahreshälfte 2026 allmählich abschwächen. Für das vierte Quartal wird ein Rückgang der Gesamtproduktion prognostiziert, während für das erste Halbjahr 2027 ein nahezu unverändertes Niveau erwartet wird.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Situation in allen Regionen gleich sein wird. In den USA und Australien könnte die Produktion nach Einschätzung der Rabobank weiter wachsen, wenn auch langsamer. In Südamerika schwächt sich das Wachstumstempo ab, während in Neuseeland die Wetterbedingungen und mögliche starke Auswirkungen des El Niño ein zusätzliches Risiko darstellen.

Am stärksten scheinen sich Milchpulver und Proteine zu entwickeln

Die Rabobank hebt die sich abzeichnenden Unterschiede zwischen den einzelnen Märkten für Milchprodukte hervor. Die günstigsten Aussichten bestehen derzeit für Milchpulver und Milchproteine. Analysten führen dies auf die robuste Nachfrage in Asien, Anzeichen einer Stabilisierung in China und die steigende Nachfrage nach Proteinen zurück, die zusätzlich durch sich ändernde Ernährungsgewohnheiten der Verbraucher angekurbelt werden könnte.

Auf dem Markt für Milchfett bleibt das Angebot hingegen weiterhin recht groß. Auch der Käsemarkt steht unter dem Druck steigender Produktionskapazitäten. Daher rechnet die Rabobank nicht mit einer einheitlichen Entwicklung für den gesamten Milchproduktkomplex: Verschiedene Produktgruppen könnten unterschiedlich auf das nachlassende Wachstum des Milchangebots reagieren.

Auf dem chinesischen Markt – Anzeichen einer Stabilisierung

China bleibt für den globalen Milchmarkt eine der wichtigsten Unsicherheitsquellen. Die Rabobank sieht in ihrem jüngsten Bericht erste Anzeichen einer Stabilisierung. Dies ist wichtig, da Veränderungen der chinesischen Importnachfrage sich schnell auf die weltweiten Ströme von Milchpulver und anderen handelsüblichen Milchprodukten auswirken können.

Dennoch stellt die Bank die Erholung Chinas nicht als vollendete Tatsache dar. Es handelt sich vielmehr um ein Signal, dass sich das Nachfrageumfeld nach einer längeren Schwächephase wieder günstiger entwickeln könnte. Daher werden die Daten aus China auch weiterhin zu den wichtigsten Indikatoren für die Einschätzung der Marktrichtung im Jahr 2027 gehören.

Die Margen der landwirtschaftlichen Betriebe könnten zu einem Faktor werden, der das Angebot einschränkt

Ein weiterer Schwerpunkt der Rabobank: die schwächer werdenden Margen der Milcherzeuger. Steigende Kosten für Futtermittel, Energie, Düngemittel und Transport könnten die Bereitschaft und die Möglichkeiten der Betriebe zur Steigerung der Produktion einschränken. In Europa tragen dazu auch strukturelle Einschränkungen bei, die eine schnellere Ausweitung der Milchproduktion begrenzen.

Daher könnte die Verlangsamung des Angebotswachstums nicht nur mit kurzfristigen Marktbedingungen zusammenhängen. In einigen Regionen könnte sie auch tiefgreifendere strukturelle Grenzen des Sektors widerspiegeln: Produktionskosten, Umweltauflagen, Arbeitskräftemangel oder begrenzte Möglichkeiten zur Vergrößerung der Herden.

Was könnte dies für den litauischen Milchsektor bedeuten?

Die Prognose der Rabobank bedeutet an sich noch keinen bevorstehenden plötzlichen Anstieg der Milchpreise. Sie deutet jedoch darauf hin, dass sich der Weltmarkt von einer Situation entfernen könnte, in der ein Überangebot das Hauptproblem darstellte. Sollte sich das Wachstum der Milchproduktion tatsächlich deutlich verlangsamen, während die Nachfrage nach bestimmten Produkten weiterhin stark bleibt, könnte der internationale Markt für Milchprodukte anfälliger für etwaige zusätzliche Störungen werden.

Für die litauischen Betriebe ist nicht die Prognose der Rabobank an sich entscheidend, sondern ihre Tendenz. Sollte sich das Angebotswachstum in den großen Produktionsregionen abschwächen, könnte sich das Marktgleichgewicht allmählich verbessern. Die Auswirkungen hängen jedoch davon ab, welche Produkte die stärkste Nachfrage verzeichnen und wie sich die Handelsströme verändern werden.

Derzeit sollten vor allem drei Aspekte im Blick behalten werden: Wird das Produktionswachstum der „Big 7“ im vierten Quartal 2026 tatsächlich in einen Rückgang übergehen? , ob sich die Stabilisierung der Nachfrage in China nachhaltiger entwickeln wird und ob sich die Märkte für Milchproteine und Milchpulver weiterhin von den schwächeren Segmenten für Fett und Käse abheben werden.

Pieno ūkis

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