Eine neue Maßnahme zur Generationsfolge in der Landwirtschaft: Die einen begrüßen sie, die anderen sehen darin Risiken
Zu den der Europäischen Kommission vorgelegten Änderungen des strategischen Plans für die Landwirtschaft und die Entwicklung des ländlichen Raums in Litauen für den Zeitraum 2023–2027 gehört als eine der auffälligsten Neuerungen – eine neue Maßnahme zum Generationswechsel, die die Übergabe von Betrieben an die jüngere Generation erleichtern soll. Während das Landwirtschaftsministerium (ŽŪM) hofft, dass die Änderungen zur Lösung des Problems der Überalterung der ländlichen Bevölkerung beitragen werden, gehen die Einschätzungen der Landwirteverbände auseinander.
ŽŪM: Die Praxis diktiert die Änderungen
Das Ministerium erklärt, dass die Umsetzung des Strategieplans kontinuierlich überwacht wird – dabei werden die Aktivität der Landwirte, die Umsetzung der Fördermaßnahmen, die Anmerkungen der Sozialpartner sowie die Empfehlungen der Europäischen Kommission analysiert.
„Bei der Umsetzung des Strategieplans zeigen sich praktische Aspekte, die präzisiert werden sollten, damit die Förderung zugänglicher, wirksamer und besser auf die tatsächlichen Bedürfnisse des Agrarsektors abgestimmt ist“, – so das Landwirtschaftsministerium.
Eine der vorgeschlagenen Änderungen ist die Verlängerung der Laufzeit von zinsgünstigen Darlehen für Finanzierungsmaßnahmen zur Niederlassung von Junglandwirten und zur Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse von fünf auf zehn Jahre. Nach Angaben des Ministeriums war diese Entscheidung notwendig, da die Inanspruchnahme der Finanzmittel bislang geringer ausfiel als erwartet, obwohl eine vor dem Start der Maßnahme durchgeführte Expertenbewertung ergeben hatte, dass Darlehen mit kürzerer Laufzeit ausreichend attraktiv sein sollten.
Sieht einen wichtigen Schritt für den Generationswechsel
Der Vorsitzende des litauischen Bauernverbands, Gedas Špakauskas, erklärt, dass gerade die Veränderungen im Zusammenhang mit den Junglandwirten die wichtigsten aller Änderungen am Strategieplan seien.
Seiner Aussage zufolge wurde in Litauen bisher die Niederlassung junger Landwirte gefördert, es gab jedoch keine Maßnahmen, die auf eine reibungslose Übergabe der Betriebe von der älteren an die jüngere Generation ausgerichtet waren.
„Es handelt sich um eine Pilotmaßnahme. Ihr Kernziel ist es, jungen Landwirten dabei zu helfen, Betriebe von ihren Eltern oder anderen Angehörigen zu übernehmen. Ein Teil betrifft Investitionen, der andere – Beratung und Unterstützung. Solche Maßnahmen haben bisher gefehlt“, sagt G. Špakauskas.
Seiner Meinung nach ist das Projekt zwar nicht groß, könnte aber in Zukunft als Grundlage dienen, wenn die Europäische Union dem Generationswechsel noch mehr Aufmerksamkeit widmen will.
Junglandwirte: Die Idee ist gut, aber der gewählte Weg weckt Zweifel
Der stellvertretende Vorsitzende des Verbandes junger Landwirte und der Jugend, Vytautas Buivydas, bewertet die neue Maßnahme jedoch deutlich zurückhaltender. Seiner Meinung nach ist die Idee des Generationswechsels an sich notwendig, doch das gewählte Finanzierungsmodell sei fragwürdig.
„Wir unterstützen junge Landwirte auf jeden Fall, aber dieses konkrete Programm warf für uns viele Fragen auf, weshalb wir es nicht befürwortet haben“, sagt V. Buivydas.
Die größte Sorge der Organisation gilt der Tatsache, dass für die neue Maßnahme Mittel vorgesehen sind, die durch eine Umverteilung aus den Lokalen Aktionsgruppen (LAG) bereitgestellt werden sollen.
„Auch Junglandwirte können an LAG-Projekten teilnehmen, allerdings sind die Projekte dort kleiner – bis zu 50.000 Euro. Unserer Meinung nach würde die Förderung auf diese Weise mehr Menschen erreichen. Wir sind dafür, dass mit kleineren Beträgen einer größeren Anzahl von Landwirten geholfen wird, anstatt einem einzelnen Antragsteller einen sehr hohen Betrag zuzuweisen“ – erklärt er.
Laut V. Buivydas erhöhen hohe Förderbeträge für einen einzelnen Empfänger auch das Risiko.
„Sollte sich herausstellen, dass die Übertragung des Betriebs nur vorgetäuscht war, würden viele Mittel verloren gehen. Unsere Position lautet: Lieber kleinere Beträge für eine größere Anzahl von Landwirten“, sagt unser Gesprächspartner.
Auch andere Änderungen sorgen für Diskussionen
Laut V. Buivydas sorgt nicht nur die Maßnahme zum Generationswechsel für Diskussionen. Seiner Meinung nach wurden auch die vorgeschlagenen Änderungen in den Bereichen Pflanzenschutz und Bodenuntersuchungen nicht ausreichend diskutiert, die laut der Organisation eher auf Getreidebaubetriebe als auf den Obst-, dem Gemüse- oder Beerenanbau besser geeignet sein könnten.
Kritik ernteten auch die vorgeschlagenen Änderungen bei der Bekämpfung der Ausbreitung invasiver Arten.
„Mit kurzfristigen Lösungen allein werden wir das Problem der invasiven Pflanzen nicht bewältigen können. Wir brauchen mehr Wissenschaft, eine einheitliche Datenbank und einen systemischen Ansatz“, ist V. Buivydas überzeugt.
Das Landwirtschaftsministerium erklärt hingegen, dass Änderungen an den Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung invasiver Arten notwendig waren, da zwei Jahre in Folge kein einziger Antrag eingegangen war. Das Ministerium hofft, dass die Maßnahme durch eine Erhöhung der Fördermittel und eine Anpassung der Bedingungen für Antragsteller attraktiver wird.