Französische Supermarktketten bereiten sich auf einen Boykott von Mercosur-Produkten vor. Bleiben die litauischen Händler auf der Strecke?

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Es gibt keine Anzeichen für einen koordinierten und einheitlichen EU-weiten Boykott des Mercosur-Abkommens durch Einzelhandelsketten. Einzelne Äußerungen großer Ketten in Frankreich lassen jedoch hoffen, dass zumindest ein Teil des Marktes Beschränkungen für bestimmte Produktgruppen aus Südamerika übernehmen könnte. Welche Position werden die litauischen Einzelhandelsketten einnehmen? Werden sie sich mit ihren Kollegen im Ausland oder zumindest mit unseren eigenen Landwirten solidarisch zeigen?

Argument unlauterer Wettbewerb

„Agrobite“ hat bereits berichtet, dass Frankreichs viertgrößter Einzelhändler „Système U (Coopérative U)“ eine öffentliche Erklärung abgegeben hat: nach der Ratifizierung des EU–Mercosur-Abkommens werden die von ihm betriebenen Geschäfte keine Agrar- und Lebensmittelprodukte aus den Mercosur-Ländern verkaufen werden, sofern gleichwertige lokale Alternativen bestehen.

Der Generaldirektor des Netzwerks, Dominique Schelcher, hat das Problem klar benannt – die europäischen Landwirte arbeiten unter strengen Umwelt-, Tierschutz- und Lebensmittelsicherheitsstandards, während importierte Produkte oft nicht diesen Standards unterliegen. Diese Situation führe zu unlauterem Wettbewerb.

Er verglich das EU-Mercosur-Abkommen sogar mit der Fast-Fashion-Plattform "Shein", die für eine billigere, aber weniger regulierte Produktion steht.

In Frankreich ist das EU-Mercosur-Abkommen bereits zu einem politischen und gesellschaftlichen Symbol der Spaltung geworden; es liegt seit mehr als 25 Jahren auf dem Tisch, hat aber noch keine Unterstützung in der Bevölkerung gefunden. Das ist nicht verwunderlich: Frankreich ist der größte Agrarproduzent Europas, und die Interessen der örtlichen Landwirte haben hier ein großes politisches Gewicht.

Nicht der erste Präzedenzfall

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der französische Einzelhandel auf die Seite der Landwirte schlägt.

Bis 2024 hat die größte Supermarktkette des Landes, Carrefour, angekündigt, in ihren französischen Geschäften kein Fleisch aus den Mercosur-Ländern (Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay) zu verkaufen.

Diese Entscheidung erfolgt vor dem Hintergrund der Proteste von Landwirten und hat einen internationalen Aufschrei ausgelöst, insbesondere in Brasilien, wo Carrefour ebenfalls über ein großes Vertriebsnetz verfügt und zu einem Boykott aufgerufen hat.

Auch wenn Alexandre Bompard, Chef von „Carrefour“, betonte, dass die Entscheidung nur für den französischen Markt gelte, war die Botschaft klar: Supermarktketten können sich aktiv an politischen Entscheidungen beteiligen und sind nicht nur passive Beobachter.

Litauische Händler – in Bereitschaft

Die großen Einzelhandelsketten in Litauen gehen bisher sehr viel vorsichtiger vor. Anders als in Frankreich gab es in unserem Land keine öffentlichen Erklärungen über mögliche Beschränkungen für „Mercosur“ Produkte.

Händler betonen, dass das EU–Mercosur-Abkommen noch nicht ratifiziert wurde, so dass es zu früh ist, über praktische Lösungen zu sprechen.

„Rimi“ -Vertreter weisen darauf hin, dass die Handelskette im Rahmen der bestehenden Rechtsvorschriften arbeitet und Entscheidungen individuell trifft. Maxima“ betont, dass sie sich an die nationalen und EU-Rechtsvorschriften halten wird, während Norfa“ erklärt, dass sie sich noch keine Meinung gebildet hat.

Das Ausbleiben von Antworten auf Anfragen zu diesem Thema von „Iki“ und „Lidl Lietuva“ deutet darauf hin, dass der litauische Einzelhandel es bis auf weiteres vermeidet, eine klare Position zu beziehen, solange die politischen Entscheidungen in Brüssel noch ausstehen.

Zwischen Politik und Markt

Das französische Beispiel zeigt, dass das EU-Mercosur-Abkommen nicht mehr nur ein technisches Handelsdokument ist.

Das Abkommen wird zu einer Wertefrage, bei der die Prinzipien des Freihandels, die Interessen der lokalen Landwirte und die Erwartungen der Verbraucher aufeinanderprallen.

Ob litauische Supermarktketten dem französischen Beispiel folgen oder sich neutral verhalten, wird nicht nur von politischen Entscheidungen abhängen, sondern auch davon, wie aktiv Landwirte und Verbraucher vor Ort ihre Stimme erheben werden. Im Moment schaut Litauen zu, aber die Frage bleibt offen: für wie lange?

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