Vom 63-Milliarden-Dollar-Geschäft zum juristischen Marathon: kein Ende der Glyphosat-Krise bei Bayer in Sicht
Einer der weltweit größten Rechtsstreitigkeiten im Bereich der Agrochemie wird immer teurer. Bayer Bayer, das Monsanto in 63 Jahren für 63 Mrd. USD (rund 53,4 Mrd. EUR) übernommen hat, schlägt vor, Monsanto bis zu 7,25 Mrd. USD (rund 53,4 Mrd. EUR) Schadenersatz für die Übernahme von Bayer zuzusprechen. Die USA fordern außerdem zusätzliche Mittel in Höhe von 7,5 Mrd. USD (ca. 6,15 Mrd. EUR), um laufende US-Klagen wegen eines möglichen Zusammenhangs zwischen dem Herbizid Roundup und seinem Wirkstoff Glyphosat und Non-Hodgkin-Lymphomen beizulegen.
Dieser Vorschlag käme zu den bereits gebildeten Rückstellungen und den bereits gezahlten Entschädigungen hinzu, die sich nach verschiedenen Schätzungen bereits auf über 9,6 Milliarden Euro belaufen. Die Zahl der Rückstellungen und Erstattungen wird auf 8,14 Mrd. USD (rund 8,14 Mrd. EUR) geschätzt. >Das Ausmaß des Streits bleibt enorm. Seit den ersten öffentlichkeitswirksamen Gerichtsentscheidungen im Jahr 2018 ist die Zahl der Fälle auf über 100 angestiegen. In den USA wurden seit den ersten großen Gerichtsentscheidungen im Jahr 2018 mehr als 100.000 Klagen eingereicht.
Einige davon wurden bereits durch Vergleichsvereinbarungen beigelegt, aber Tausende von Fällen warten noch auf eine endgültige Lösung. Der jüngste Vorschlag zielt darauf ab, einen langfristigen Erstattungsmechanismus zu schaffen, der weitere 15 bis 20 Jahre dauern wird, da die Latenzzeit für Krebserkrankungen manchmal mehrere Jahrzehnte betragen kann.
In Einzelfällen können die Leistungen je nach Schwere der Erkrankung und der Evidenzbasis 150.000 Dollar (etwa 127.000 Euro) übersteigen.
Die finanzielle Belastung hat direkte Auswirkungen auf die Bilanz eines Unternehmens. Die Gesamtkosten und Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit Glyphosat nähern sich bereits der Marke von 12 Milliarden Euro. Dies erschwert nicht nur Investitionspläne, sondern setzt auch den Aktienkurs unter Druck – nach der Übernahme von „Monsanto“ hat sich der Börsenwert von „Bayer“ deutlich verringert, und die Anleger sehen die langfristigen rechtlichen Risiken kritisch. Analysten weisen darauf hin, dass selbst zusätzliche Kosten in Höhe von mehreren Milliarden Euro spürbare Auswirkungen auf die Dividendenpolitik und die Verschuldung haben könnten.
Die juristische Debatte bleibt zwiespältig. Bayer argumentiert, dass die US-Bundesvorschriften zur Kennzeichnung von Pestiziden Vorrang vor den Gesetzen der einzelnen Bundesstaaten haben sollten und zusätzliche Warnhinweise auf den Etiketten daher nicht zwingend erforderlich seien.
Sollte sich der Oberste Gerichtshof der USA dieser Position anschließen, könnten einige künftige Klagen abgewiesen werden. Bisher haben untere Gerichte jedoch in einigen Fällen Schadenersatz in Höhe von Hunderten von Millionen Dollar zugesprochen, die in der Berufung reduziert wurden.
Auch die wissenschaftliche Gemeinschaft ist sich nicht einig. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), die unter der Schirmherrschaft der WHO steht, stufte Glyphosat 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" ein, während sowohl die US-Umweltschutzbehörde (EPA) als auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) angaben, dass Glyphosat bei den festgelegten Anwendungsmengen kein krebserregendes Risiko darstellen dürfte.
Im Jahr 2023 verlängerte die Europäische Union die Zulassung von Glyphosat um weitere 10 Jahre, was darauf hindeutet, dass die Regulierungsbehörden in Europa noch keine ausreichenden Gründe für ein vollständiges Verbot sehen.
Glyphosat ist eines der weltweit am häufigsten verwendeten Herbizide: Jährlich werden Hunderttausende von Tonnen verwendet und Produkte mit diesem Wirkstoff in mehr als 140 Ländern eingesetzt.
USA ist eines der beliebtesten Unkrautbekämpfungsmittel sowohl in der professionellen Landwirtschaft als auch im Hobbygartenbau. Daher haben alle gesetzgeberischen oder regulatorischen Entscheidungen globale wirtschaftliche Auswirkungen, von den Kosten der Landwirte bis hin zur Lebensmittelpreiskette.