Wenn Importe zu Waffen werden: Chinas Sojakarte - ein Trumpf für Druck bei den US-Wahlen?

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Die Strategie Chinas, seine Abhängigkeit von Sojaimporten zu verringern, hat sich in den letzten Jahren nicht bewahrheitet; stattdessen ist Peking noch abhängiger von ausländischen Lieferanten geworden, insbesondere von Brasilien, was die Dynamik des globalen Sojamarktes radikal verändert hat.

Nach chinesischen Zolldaten importierte China im Jahr 2025 eine Rekordmenge an Sojabohnen - 111,8 Millionen Tonnen, 6,78 Millionen Tonnen mehr als 2024 - und diese Importe machten rund 84 % des gesamten Sojakonsums des Landes aus. Dies bestätigt, dass das Land weiterhin in hohem Maße von Importeuren abhängig ist.

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Im Jahr 2018. China produzierte rund 16 Millionen Tonnen Soja und importierte 88 Millionen Tonnen, was einer Selbstversorgungsrate von mageren 15,4 % entspricht. Während die inländische Produktion bis 2025 leicht auf 20,9 Millionen Tonnen anstieg, wuchsen die Importe noch schneller auf 108–111,8 Millionen Tonnen. Infolgedessen blieb die Abhängigkeit von ausländischen Lieferungen insgesamt sehr hoch und nahm im Vergleich zu 2024 sogar noch leicht zu.

Chinas Bestreben nach größerer Selbstversorgung wurde in wichtigen landwirtschaftlichen Dokumenten sowie in der so genannten „Dokument 1“ Prioritätenliste verankert, in der die Spitzenpolitiker des Landes, darunter Xi Jinping, ehrgeizige Pläne zur Steigerung der Sojaproduktion und zur Verringerung der Importe bereits für 2019 ankündigten. Die Realität sah jedoch anders aus: Statt einer deutlichen Steigerung der Selbstversorgung hat sich die chinesische Sojaproduktion zwischen 2022 und 2025 nicht wesentlich verändert, wobei der Selbstversorgungsgrad nur kurzzeitig über 18 % lag und 2025 sogar zurückging.

Brasilien hat sich zu Chinas Hauptlieferant von Sojabohnen entwickelt: 2025 exportierte es rund 82 Millionen Tonnen nach China – dies ermöglichte es Peking, die Importe aus den USA und anderen Ländern fast vollständig auszusetzen, was dem US-Agrarsektor große Sorgen bereitete. Den Zoll- und Handelsdaten zufolge haben die monatlichen Einfuhrströme aus Brasilien oft frühere Rekorde übertroffen, während die Einfuhren aus den USA praktisch nicht mehr vorhanden waren – im September wurden keine Sojabohnen aus den USA eingeführt. Dies war das erste Mal seit 7 Jahren der Fall.

Experten weisen darauf hin, dass China die Anbauflächen für Sojabohnen nicht vergrößert hat, weil die fruchtbarsten Flächen für den Maisanbau genutzt werden. Außerdem können die lokalen Landwirte ihre Erzeugnisse oft nicht vermarkten, weil die lokale Nachfrage geringer ist und die Qualität im Vergleich zu importierten Sojabohnen schlechter ist.

All dies zeigt, dass Chinas Strategie der Selbstversorgung mit Soja weitgehend ausgereizt ist. Während Pekings offizielle Rhetorik immer noch auf das Ziel verweist, diese Selbstversorgung zu erhöhen, zeigen die tatsächlichen Ergebnisse, dass das Land weiterhin von Importen abhängig ist und dass die Nachfrage nach Soja in sehr großen Mengen, vor allem für Tierfutter, enorm bleibt. Diese Situation hat nicht nur geopolitische Auswirkungen, z. B. eine größere Abhängigkeit von Brasilien oder Auswirkungen auf die Handelsbeziehungen mit den USA, sondern auch erhebliche Auswirkungen auf das globale Sojapreisgefüge und die Versorgungskette, die durch unerwartete Handelsunterbrechungen stark aus dem Gleichgewicht gebracht werden könnten.

Politisch ist es offensichtlich, dass China im Zusammenhang mit dem Handelskrieg mit den USA (insbesondere den verhängten Zöllen) weiterhin Druck auf Präsident Donald Trump ausübt. Die US-amerikanischen Sojabohnenanbauer haben traditionell vor allem die Republikaner unterstützt, zu denen Herr Trump gehört. Ihre politische Unterstützung ist jedoch nicht eindeutig und kann je nach politischen Themen variieren. Ihre Stimmen könnten bei den US-Kongresswahlen im November dieses Jahres von Bedeutung sein. Daher könnte die Tatsache, dass die US-Sojabohneneinfuhren nach China praktisch gestoppt wurden, die Unterstützung für die Republikaner in den Agrarstaaten schwächen, wenn sie keine anderen Importmärkte finden oder einen kostspieligen Ausgleichsmechanismus für die US-Landwirte vorsehen müssen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Chinas Sojapolitik zeigt, dass es wirtschaftlich und strukturell nicht ausreicht, die heimische Produktion zu steigern und die Importe zu reduzieren – das strategische Ziel der Selbstversorgung bleibt eher symbolisch als real. Es ist jedoch auch wichtig festzustellen, dass Chinas Agrarpolitik heute nicht mehr nur eine Frage der Ernährungssicherheit ist – sie ist ein Mechanismus der geopolitischen Einflussnahme. Schließlich entfallen rund 60 % der weltweiten Einfuhren von Sojabohnen auf China.

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