Das Blauzungenvirus breitet sich aus: neue Ausbrüche in Rinderherden geben Anlass zur Sorge
Neue Ausbrüche der Blauzungenkrankheit sind in hessischen Rinderherden bestätigt worden, und die Veterinärbehörden warnen davor, dass sich das Virus sowohl innerhalb des Landes als auch europaweit weiter ausbreitet. Dies ist ein weiteres Signal dafür, dass sich der Tierhaltungssektor auf einen langfristigen Kampf gegen diese durch Insekten übertragene Krankheit vorbereiten muss.
Das Blauzungenvirus ist eine gefährliche Infektion, die Rinder, Schafe und andere Wiederkäuer befällt. Obwohl es für den Menschen ungefährlich ist, kann es in landwirtschaftlichen Betrieben schwere wirtschaftliche Verluste verursachen: Fieber, Schleimhautschäden, Fruchtbarkeitsstörungen und einen Rückgang der Milchleistung.
In Deutschland hat sich die Krankheit in den letzten Jahren rasant ausgebreitet. Allein im Jahr 2024 wurden hierzulande 1 885 Ausbrüche der Blauzungenkrankheit registriert, im Jahr 2023 waren es nur 23. Dies spiegelt die rasante Ausbreitung des Virus vor allem im Westen und in der Mitte des Landes, einschließlich der Region Hessen, wider.
Die Situation bleibt auch in der Saison 2025–2026 angespannt, da sich die Ausbrüche in ganz Europa ausweiten. In mindestens 13 europäischen Ländern sind Fälle gemeldet worden. Neben Deutschland wurden sie auch in Frankreich, Italien, Dänemark, Polen und Spanien registriert. Allein in Frankreich wurden im Juli 2025 mehr als 1 100 Fälle bestätigt, verglichen mit nur 13 Fällen im Juni.
>Das Virus hat bereits Polen und das Vereinigte Königreich erreicht. Im Vereinigten Königreich wurden zwischen Juli 2025 und Februar 2026 rund 290 Fälle bestätigt, hauptsächlich in Rinderherden in England. In Polen wurden im Jahr 2025 zwischen 41 und 63 Ausbrüche festgestellt. Die Zahl der Rinder in den Betrieben reichte von einem Dutzend bis zu mehr als 50.
Experten betonen, dass die Krankheit durch blutsaugende Insekten – Macheten verbreitet wird, was ihre Bekämpfung vor allem in der warmen Jahreszeit schwierig macht. Impfstoffe gelten als der einzige zuverlässige Schutz gegen schwere Formen der Krankheit und wirtschaftliche Verluste.
In Hessen gibt es rund 400.000 Rinder und 165.000 Schafe, so dass jeder neue Ausbruch eine direkte Bedrohung für die Viehwirtschaft in der Region darstellt. Die Veterinärbehörden fordern die Landwirte auf, ihre Tiere verstärkt zu impfen und den Gesundheitszustand ihrer Herden zu überwachen, da sich das Virus auch ohne deutliche klinische Anzeichen ausbreiten kann.
Neue Ausbrüche in Hessen zeigen, dass die Blauzungenkrankheit ihren Höhepunkt in Europa noch nicht erreicht hat. Die steigende Zahl der Ausbrüche und die weite geografische Ausbreitung der Krankheit machen es wahrscheinlich, dass sie auch in den kommenden Jahren eine der größten Bedrohungen für Rinder- und Schafsbetriebe auf dem gesamten Kontinent bleiben wird.