Neue Zölle und die CBAM-Abgabe haben den europäischen Düngemittelmarkt auf den Kopf gestellt
Die Dominanz Russlands auf dem Düngemittelmarkt in Polen und ganz Europa beginnt rapide nachzulassen. Seit dem 1. Juli 2025 hat die Europäische Union zusätzliche Zölle auf Stickstoff- und Mehrnährstoffdünger aus Russland und Weißrussland eingeführt, und seit 2026 hat der vollständig in Kraft getretene CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) die Wettbewerbsfähigkeit dieser Produkte weiter geschwächt. Erste Ergebnisse zeigen einen deutlichen Rückgang der Importe und eine rasche Neuausrichtung der Lieferwege, berichtet das polnische Portal Farmer.pl.
Noch im Jahr 2024 war Russland einer der wichtigsten Düngemittellieferanten für die Europäische Union. Europäische Politiker wiesen darauf hin, dass die Düngemittelimporte aus Russland und Weißrussland in die EU in den ersten acht Monaten des Jahres 2024 trotz der geopolitischen Spannungen und des Krieges in der Ukraine um bis zu 52 Prozent gestiegen sind. Gerade wegen dieser Abhängigkeit hat die Europäische Kommission Handelsbeschränkungen und zusätzliche klimapolitische Maßnahmen initiiert.
Die neuen Zölle sehen nicht nur einen Zollsatz von 6,5 % vor, sondern auch eine zusätzliche Abgabe für jede importierte Tonne Düngemittel. Seit Mitte 2025 wird auf Stickstoffdünger aus Russland und Weißrussland eine zusätzliche Abgabe von 40 Euro pro Tonne erhoben, die in den folgenden Jahren noch steigen wird. Gleichzeitig wurde der CBAM-Mechanismus eingeführt, der Importeure verpflichtet, für die bei der Herstellung ausgestoßenen CO₂-Mengen zu zahlen, wodurch gleiche Wettbewerbsbedingungen mit europäischen Herstellern geschaffen werden.
Der Markt reagierte bereits vor Inkrafttreten der strengeren Vorschriften auf die Veränderungen. Im letzten Quartal 2025 stiegen die EU-Importe von Stickstoffdüngern um 75 % und erreichten 4,75 Millionen Tonnen. Allein im Dezember 2025 wurden 2,52 Millionen Tonnen Stickstoffdünger in die Gemeinschaft eingeführt – das war eine Rekordmenge, da Händler und Importeure versuchten, vor Inkrafttreten des CBAM Vorräte anzulegen.
Bereits im ersten Quartal 2026 zeigte sich jedoch ein völlig anderer Trend. Die Einfuhren von Stickstoffdüngemitteln in die Europäische Union gingen von 3,38 Millionen Tonnen auf 1,05 Millionen Tonnen zurück, was einem Rückgang von 69 Prozent entspricht. In Polen war der Rückgang noch deutlicher – die Importe aus Drittländern sanken von 510.000 Tonnen auf nur noch 56.300 Tonnen. Das entspricht einem Rückgang von 89 Prozent innerhalb eines Jahres.
Gleichzeitig gewinnen alternative Lieferanten auf dem Markt rasch an Bedeutung. Zu den größten Exporteuren von Stickstoffdüngern in die EU sind Ägypten, Algerien und China geworden. Auf dem polnischen Markt gewinnen Lieferungen aus Algerien, Deutschland, den Niederlanden und Litauen zunehmend an Bedeutung, während im Segment der Mehrnährstoffdünger Marokko, Norwegen und Serbien hervorstechen. Nach Einschätzung von Experten erhöht dies die Versorgungssicherheit und verringert die Abhängigkeit von einer einzigen geopolitischen Region.
Europäische Düngemittelhersteller argumentieren, dass Zölle und die CBAM dazu beitragen, einen fairen Wettbewerb wiederherzustellen, da russische Hersteller lange Zeit von günstigeren Energierohstoffen und geringeren Umweltauflagen profitiert haben. Andererseits warnen Bauernverbände, dass zusätzliche Abgaben langfristig zu höheren Düngemittelpreisen führen könnten, insbesondere wenn die Erdgaspreise auf dem Weltmarkt hoch bleiben oder alternative Lieferkanäle unterbrochen werden.
Die ersten Daten für das Jahr 2026 zeigen, dass die Strategie der Europäischen Union zur Verringerung der Abhängigkeit von russischen Düngemitteln funktioniert. Gleichzeitig beginnt jedoch eine neue Phase, in der nicht nur der Preis, sondern auch der CO2-Fußabdruck des Produkts, die Zuverlässigkeit der Lieferketten sowie die Fähigkeit, sich an die immer strengeren Anforderungen der Klimapolitik anzupassen, zu den wichtigsten Faktoren werden.