V. Grigas: Die Nitratrichtlinie muss an die Landwirtschaft der Zukunft angepasst werden
Nach der Veröffentlichung des Bewertungsberichts zur Nitratrichtlinie durch die Europäische Kommission hat der Europäische Rat der Junglandwirte (CEJA) seinen Standpunkt dargelegt. Die Organisation räumt ein, dass die Richtlinie in mehr als drei Jahrzehnten wesentlich zur Verbesserung der Wasserqualität beigetragen hat, betont jedoch, dass die wichtigste Frage heute lautet: ob die derzeitigen Vorschriften noch den Anforderungen der heutigen und zukünftigen Landwirtschaft entsprechen.
Der CEJA betont, dass die Ziele des Wasser- und Umweltschutzes nicht in Frage gestellt werden. Sie müssen jedoch mit Maßnahmen verfolgt werden, die den sich ändernden klimatischen Bedingungen, der wirtschaftlichen Lebensfähigkeit der Betriebe, die Ziele der europäischen Ernährungssicherung sowie die unterschiedlichen landwirtschaftlichen Bedingungen in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union berücksichtigen.
Ein flexiblerer Ansatz ist erforderlich
Junge europäische Landwirte weisen darauf hin, dass die Landwirtschaft heute vor neuen Herausforderungen steht – Marktinstabilität, geopolitische Spannungen, extreme Wetterereignisse und steigende Produktionskosten. Daher ermöglichen einheitliche, streng an kalendarische Fristen gebundene Anforderungen nicht immer die Erzielung der besten Umweltschutzergebnisse.
Die CEJA fordert eine breitere Diskussion über einen flexibleren Einsatz organischer Düngemittel, ein präziseres Nährstoffmanagement für Pflanzen, die Einführung von Lösungen der Kreislaufwirtschaft und eine stärkere Förderung von Investitionen in moderne Technologien.
Für die litauischen Landwirte ist dieses Problem besonders aktuell
Vytenis Grigas, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer der Republik Litauen, betont, dass Fragen zur Anwendung der Nitratrichtlinie auch für die litauischen Landwirte von großer Bedeutung sind.
„In Litauen werden die Düngemöglichkeiten immer häufiger nicht nur durch gesetzlich festgelegte Fristen eingeschränkt, sondern auch durch die tatsächlichen Wetterbedingungen – anhaltende Regenperioden, nasse Böden, ein später Frühling oder ein früher Herbstkälteeinbruch. Deshalb brauchen die Landwirte keine formale Regelung, sondern eine, die auf wissenschaftlichen Daten, dem Zustand des Bodens und den tatsächlichen klimatischen Bedingungen basiert“ – sagt V. Grigas.
Seiner Meinung nach zwingt der Klimawandel dazu, die derzeit geltenden Anforderungen neu zu bewerten und den Mitgliedstaaten mehr Spielraum für Entscheidungen zu geben, die auf den tatsächlichen meteorologischen und agronomischen Bedingungen basieren.
Investitionen in Innovationen – der Weg zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft
Laut V. Grigo, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Verbandes der Landwirte (ŽŪR), ist es notwendig, mehr Möglichkeiten für die effiziente Nutzung von Gülle und anderen organischen Düngemitteln zu schaffen und so die Abhängigkeit von importierten Mineraldüngern zu verringern. Gleichzeitig ist es wichtig, Investitionsförderung für Güllebehälter, Technologien zur Präzisionsdüngung, Bodenuntersuchungen und digitale Systeme zur Erfassung von Pflanzennährstoffen sicherzustellen.
Solche Investitionen würden nicht nur dazu beitragen, Nährstoffverluste in die Umwelt zu verringern, sondern auch die Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe steigern.
Landwirtschaftskammer: Umweltschutz und Lebensfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe müssen in Einklang gebracht werden
Die Position der Landwirtschaftskammer der Republik Litauen bleibt konsequent – Der Schutz der Wasserqualität muss eines der wichtigsten Ziele der Agrarpolitik sein, doch die Regulierung muss verhältnismäßig, wissenschaftlich fundiert und an die praktischen Bedingungen der Landwirtschaft angepasst sein.
Die Landwirtschaftskammer unterstützt das Bestreben, die Anwendung der Nitratrichtlinie zu modernisieren und mehr Möglichkeiten für innovative und nachhaltige Lösungen zu schaffen, die dazu beitragen, gleichzeitig Umweltziele zu erreichen, die Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe zu stärken und die langfristige Lebensfähigkeit der Landwirtschaft in Litauen und in der gesamten Europäischen Union zu sichern.