Schaf- und Ziegenhaltung: Wovon hängt die Gesundheit einer Herde ab?

Asociatyvi nuotr.

Schafe und Ziegen sind seit jeher ein fester Bestandteil vieler landwirtschaftlicher Betriebe. Sie liefern wertvolle Milch und Wolle und sorgen auf natürliche Weise für gepflegte Weiden. Die Haltung dieser Tiere erfordert Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein. Manchmal mag es dem Halter so vorkommen, als sei in der Herde alles in Ordnung, doch im Alltag kann man den „unsichtbaren“ Stress leicht übersehen: Ein schwächeres Tier wird ständig vom Wasser verdrängt, trinkt daher weniger, verliert an Gewicht und wird schwächer, während ein Jungtier – das zu spät Kolostrum erhalten hat – ein ungeschütztes Immunsystem hat und somit völlig anfällig für Infektionen wird. Solche „Kleinigkeiten“ zehren langsam an der Gesundheit der Tiere, und ernsthafte Probleme treten „unerwartet“ zutage.

Die Staatliche Lebensmittel- und Veterinärbehörde (VMVT) erinnert daran: Damit Schafe und Ziegen erfolgreich und sicher aufwachsen, müssen klare Regeln der guten Praxis befolgt werden.

Betreuung der Jungtiere

Die ersten Stunden nach der Geburt eines Jungtiers entscheiden über alles – hier zählt jede Stunde. Ein Lamm muss spätestens innerhalb von 3 Stunden, ein Zicklein innerhalb von 6 Stunden nach der Geburt Kolostrum erhalten. Es reicht nicht aus, nur zu sehen, dass das Jungtier neben der Mutter steht: Man sollte kurz abwarten und sich vergewissern, dass es tatsächlich saugt. Bei der Verwendung von automatischen Fütterungssystemen oder gemeinsamen Tränken darf man sich nicht allein darauf verlassen, dass die Technik funktioniert, da ein schwächeres Jungtier individuelle Aufmerksamkeit benötigt. Schließlich muss der Ruheplatz der Jungtiere vollkommen trocken, sauber und vor Zugluft geschützt sein, und bei Verwendung einer zusätzlichen Heizung ist darauf zu achten, dass es nicht zu heiß wird.

Fütterung, Wasser und unsichtbarer Wettbewerb

Für ausgewachsene Tiere muss eine ihrem Alter, Gewicht und physiologischen Zustand entsprechende Futterversorgung sowie freier Zugang zu sauberem Wasser gewährleistet sein. Im Alltag ergeben sich jedoch unsichtbare Herausforderungen: Bei in Gruppen gehaltenen Tieren muss ausreichend Platz an den Liegeplätzen vorhanden sein, damit schwächere Tiere nicht ständig verdrängt werden. Es lohnt sich, die Herde mindestens 10 Minuten lang zu beobachten, um sicherzustellen, dass kein Tier ständig warten muss, bis es an der Reihe ist. Für Ziegen ist es vorteilhaft, Zweige abzunagen (z. B. von Weiden, Haselnusssträuchern oder Birken; auf Weiden muss jedoch sorgfältig geprüft werden, ob keine tödlich giftigen Pflanzen wie Stechpalmen oder Rhododendren vorhanden sind).

Platzbedarf: Wie viel Platz wird in den Ställen benötigt?

Die Haltungsbedingungen müssen den Hygieneanforderungen entsprechen, wobei Feuchtigkeit und Zugluft vollständig vermieden werden müssen. Die Empfehlungen für gute Praxis geben folgende Mindestbodenflächen vor: 

60–90 kg schwere Mutterschafe während der Trächtigkeit: 1,2–1,4 m² – pro Mutterschaf. 

Schafe mit einem Gewicht von 60–90 kg und Lämmern bis zu 6 Wochen: 2,0–2,2 m² – 1 Schaf mit Lämmern. 

Schafe von 45–65 kg während der Trächtigkeit: 1,0–1,2 m² – pro Schaf. 

Schafe von 45–65 kg nach der Lammung mit Lämmern bis zu 6 Wochen: 1,8–2,0 m² – 1 Schaf mit Lämmern. 

Lämmer bis zu 12 Wochen: 0,5–0,6 m² – pro Lamm. 

Ausgewachsene Widder: 1,5–2,0 m² – pro Widder. 

Schafe und Ziegen sind äußerst soziale Tiere, daher ist die Haltung in Herden (Gruppen) für sie unerlässlich. Neue Herdenmitglieder müssen schrittweise an die bereits bestehende Gruppe gewöhnt werden. So wird brutale Aggression vermieden, bei der die alten Mitglieder den Neuankömmling angreifen: Sie schubsen ihn, stoßen ihn mit den Hörnern, jagen ihn durch den Stall oder versperren ihm den Zugang zum Futtertrog und zur Tränke, sodass er weder fressen noch trinken kann.

Die tägliche Betreuung erfordert mehr als nur eine oberflächliche Begutachtung: Wenn sich ein Schaf ungewöhnlich von der Herde entfernt oder eine Ziege ständig von der Futterplattform oder vom Wasser vertrieben wird – ist dies ein deutliches Zeichen dafür, dass in der Herde ein Problem aufgetreten ist, das Sie lösen müssen.

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