Ehemalige Wirtschaftsministerin: Wir erhielten Beschwerden von Unternehmern über den Pflanzenschutzdienst
Die ehemalige Ministerin für Wirtschaft und Innovation, Aušrinė Armonaitė, erklärte, sie habe Beschwerden von Unternehmern über den Staatlichen Pflanzenschutzdienst (VAT) erhalten, die nun in einem groß angelegten Korruptionsverfahren eine Rolle spielt. Gleichzeitig erklärte sie, sie habe sich nicht vorstellen können, dass solche Korruption in Litauen noch möglich sei.
Obwohl viele erst durch die Bekanntgabe der Ermittlungen von einer Institution wie der VAT gehört hatten, sagte A. Armonaitė, sie habe diese gut gekannt.
„Denn es handelt sich um eine Behörde zur Regulierung der Wirtschaft, über die sich tatsächlich auch bei uns manchmal Unternehmer beschwert haben. Zwar handelte es sich dabei um Anbauer von Faserhanf, also diejenigen, die Rohstoffe oder Nahrungsergänzungsmittel, Kosmetika und Ähnliches herstellen. Vielleicht war unsere Einschätzung irgendwie, dass sie sich einfach unverhältnismäßig verhalten, denn das war im Hinblick auf die Wirtschaft allgemein bei den Wirtschaftsaufsichtsbehörden der Fall. Aber dass es dort um Kriminalität geht – dafür gab es einfach keine Anzeichen. Zumindest nicht in dem Bereich, in dem ich tätig war“, berichtete die Politikerin, die von 2020 bis 2024 als Ministerin für Wirtschaft und Innovation tätig war, in der Sendung „ELTA kampas“.
Ihren Angaben zufolge gingen damals beim Ministerium für Wirtschaft und Innovation Beschwerden bezüglich Mehrwertsteuerprüfungen, Bewertungen und Ähnlichem ein. Was die in der Korruptionsuntersuchung der Behörde erwähnten Pflanzenschutzgenehmigungen angeht, so habe es damals angeblich keine Hinweise aus der Wirtschaft an das Ministerium gegeben.
„Wenn solche Geschichten ans Licht kommen, erinnert man sich irgendwie selbst daran, in welchem Zusammenhang man davon gehört hat. Aber das war kein Einzelfall, sozusagen, sondern spiegelte sich allgemein auf dem Markt wider“, – stellte sie fest.
„Jemand geht Kompromisse mit seinem Gewissen ein“
In dem Korruptionsfall der Mehrwertsteuer taucht Kazys Starkevičius auf, der mehrere Monate lang in der Regierung von Ingrida Šimonytė als Landwirtschaftsminister tätig war. Das langjährige Mitglied der Konservativen Partei gab zu, ein Bestechungsgeld angenommen zu haben. Die Generalstaatsanwaltschaft hat mitgeteilt, dass auch der ehemalige Ministerpräsident und Seimas-Präsident Saulius Skvernelis im Verdacht steht, ein Bestechungsgeld in Höhe von 51.000 Euro angenommen zu haben.
Darüber hinaus wurden im Mai auch gegen den ehemaligen sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Gintautas Paluckas Vorwürfe wegen unrechtmäßiger Bereicherung erhoben. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass der Politiker zusammen mit seiner Ehefrau Ilma Palucke Vermögenswerte im Wert von rund 345.000 Euro unrechtmäßig erworben haben könnte.
A. Armonaitė sagte, sie habe geglaubt, dass es in Litauen nur sehr wenig Korruption gebe.
„Ich denke, vielleicht war ich sehr naiv. Hätte mir jemand gesagt, dass so etwas möglich wäre, hätte ich gesagt: „Ach was, das kann doch nicht sein“ – so etwas in der Art. Das wäre wohl meine Reaktion gewesen. Jetzt weiß ich es nicht mehr. Man kann sich bei nichts sicher sein, außer vielleicht bei sich selbst“, – kommentierte sie in der Sendung „ELTA kampas“.
„Wenn ich zum Beispiel dieselben afrikanischen Staaten sehe, in denen die Korruption grassiert und vielleicht sogar auf einer ganz anderen Ebene, hatte ich immer den Eindruck, dass Litauen ein sehr fortschrittliches Land ist. Aber letztendlich ist das offenbar doch nicht der Fall. Letztendlich geht offenbar doch jemand Kompromisse mit seinem Gewissen ein“, fügte die ehemalige Vorsitzende der Freiheitspartei hinzu.
K. Starkevičius gab zu, ein Bestechungsgeld angenommen zu haben
Im Dezember letzten Jahres hatten Beamte im Rahmen der Ermittlungen wegen besonders schwerer Korruption bei der VAT insgesamt 13 Personen festgenommen. Später stieg die Zahl der Verdächtigen auf 15 Personen.
Nach Angaben der Strafverfolgungsbehörden und den im Rahmen der Ermittlungen gesammelten Daten wurden von Vertretern von Unternehmen, die Pflanzen und pflanzliche Erzeugnisse transportieren, systematisch Bestechungsgelder in beträchtlicher Höhe für die von der VAT an die Spediteure ausgestellten Pflanzengesundheitszeugnisse gefordert und entgegengenommen.
Bereits damals wurden der von seinen Aufgaben entbundene VAT-Direktor Jurijus Kornijenko, sein Stellvertreter Mantas Butas, die Beraterin Agnė Silickienė, die auch mit dem Abgeordneten S. Skvernelis zusammengearbeitet hatte, der Leiter der Regionalabteilung Alytus, Giedrius Urbelionis, sowie die kommissarische Leiterin der Regionalabteilung Kaunas, Dalia Šubonienė, als Verdächtige benannt.
Bei mehr als 100 Durchsuchungen wurden über 1,3 Millionen Euro in bar sowie 8 Kilogramm Gold im Wert von etwa 1 Million Euro beschlagnahmt, sowie 11.000 Zigarettenpackungen, 14.000 Liter Alkohol, Kokain und Sprengstoff gefunden.
Im Februar wurden Durchsuchungen in den Wohnungen und Büros der Abgeordneten S. Skvernelis und K. Starkevičius durchgeführt. Später wurden gegen sie Anklagen erhoben.
K. Starkevičius legte sein Mandat als Seimas-Abgeordneter nieder und gab bekannt, dass er seine Mitgliedschaft in der TS-LKD-Partei aussetzen werde. Später gab er gegenüber dem Nachrichtenportal „15min“ zu, ein Bestechungsgeld in Höhe von bis zu 20.000 Euro angenommen zu haben.