Energiesicherheit beginnt auf dem Bauernhof: Europa soll Energie- und Lebensmittelsysteme stärker miteinander verknüpfen
Copa-Cogeca fordert die Europäische Kommission auf, ihren Ansatz zur Energiesicherheit zu überarbeiten und sie enger mit der Ernährungssicherheit zu verknüpfen. Land- und Forstwirtschaft müssten ausdrücklich als strategische Säulen des europäischen Energiemixes anerkannt werden, so die Organisation.
In dem Brief an EU-Kommissar Dan Jørgensen wird betont, dass die wachsende geopolitische Instabilität und die Volatilität der Energiemärkte einen neuen, integrierten Ansatz erfordern. Nach Ansicht von Copa-Cogeca ist die Widerstandsfähigkeit Europas ohne eine stabile Lebensmittelversorgung, die unmittelbar von der Verfügbarkeit zuverlässiger Energie in den landwirtschaftlichen Betrieben abhängt, nicht möglich.
Die Organisation betont, dass in Notfällen eine ununterbrochene Agrar- und Lebensmittelproduktion entscheidend ist. Daher muss die Energieversorgung der landwirtschaftlichen Betriebe Priorität haben und die Lebensmittelsicherheit muss ein integraler Bestandteil der allgemeinen Sicherheit Europas sein.
Copa-Cogeca schlägt konkrete Maßnahmen vor, die diese Verbindung stärken könnten. Dazu gehören die Überprüfung der Beschränkungen für nachhaltige, auf landwirtschaftlichen Rohstoffen basierende Biokraftstoffe im Verkehrssektor und die Beseitigung von Anreizen, die intransparente Praktiken bei Biokraftstoffen auf Abfallbasis fördern. Außerdem wird vorgeschlagen, der Modernisierung ländlicher Stromnetze Vorrang einzuräumen und Landwirte und Genossenschaften stärker bei der Beteiligung an lokalen Energiegemeinschaften zu unterstützen.
Nicht zuletzt – administrative Hindernisse. Copa-Cogeca stellt fest, dass langwierige Genehmigungsverfahren, komplexe Vorschriften und veraltete Infrastrukturen Investitionen in Biogas-, Biomethan-, KWK- und Biokraftstoffprojekte behindern. Sie schlägt daher vor, das Genehmigungsverfahren zu vereinfachen und den Verwaltungsaufwand zu verringern, insbesondere für kleinere Betriebe.
Nach Ansicht der Organisation könnten die europäischen Landwirte und Genossenschaften bei einem günstigen politischen Umfeld ein wichtiger Bestandteil der Energiewende werden, die Abhängigkeit von externen Energiequellen verringern, den Zugang zu Energie verbessern und die strategische Autonomie Europas stärken.
Agimanta Pabedinskienė, Präsidentin der AGRI, betont, dass die Trennung von Energie- und Agrarpolitik heute zu einem gefährlichen Fehler wird: "Wenn wir über europäische Sicherheit sprechen, müssen wir über Lebensmittel und Energie als Einheit sprechen. Landwirtschaftsbetriebe können ohne zuverlässige Energie nicht funktionieren, und ohne funktionierende Landwirtschaftsbetriebe gibt es keine Lebensmittel. Es ist daher notwendig, die Landwirtschaft als strategischen Sektor anzuerkennen, nicht nur in der Lebensmittel-, sondern auch in der Energiepolitik. Wir müssen die Landwirte in die Lage versetzen, ihre eigene Energie zu erzeugen, um die Abhängigkeit von außen zu verringern und die Widerstandsfähigkeit Europas insgesamt zu stärken", so die Präsidentin der EAA, Frau Pabedinskienė.
Die Diskussionen über die Zukunft der europäischen Energie- und Lebensmittelsysteme gewinnen an Dynamik, und es werden Lösungen gefordert, die nicht nur eine nachhaltige, sondern auch eine sichere und widerstandsfähige Zukunft gewährleisten.