Der Milchsektor in Europa: Preisunterschiede und Herausforderungen für Litauen

ŽŪR nuotr.

Der europäische Milchsektor steht heute vor wachsenden Herausforderungen, von Preisschwankungen über den Klimawandel bis hin zum Generationswechsel. Diese Themen wurden auf einer vom Rat der Europäischen Junglandwirte (CEJA) in Brüssel organisierten Arbeitsgruppensitzung erörtert, an der auch Vytenis Grigas, stellvertretender Vorsitzender der litauischen Landwirtschaftskammer (LCA) und Vorstandsmitglied der litauischen Junglandwirte und Jugendunion, teilnahm.

Er sagte, dass die Diskussionen ein Thema von besonderer Bedeutung hervorhoben: die großen Unterschiede bei den Milchankaufspreisen zwischen den Ländern der Europäischen Union, die sich direkt auf die Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe auswirken.

Unterschiede bei den Milchpreisen in Europa bleiben hoch

Daten der Europäischen Kommission zeigen, dass der durchschnittliche EU-Milchpreis Anfang 2026 bei etwa 47 € pro 100 kg lag, aber die Preisunterschiede zwischen den Ländern sind nach wie vor sehr groß.

In einigen Ländern erhalten die Landwirte mehr als 55–60 € je 100 kg, in anderen – viel weniger. Litauische Landwirte gehören häufig zu denjenigen, die niedrigere Preise erhalten.

Außerdem waren die Preise in den letzten Jahren erheblichen Schwankungen unterworfen. So werden die Milchankaufspreise in Litauen bis Ende 2025 im Vergleich zu 2024 um rund 26 % gesunken sein, verglichen mit einem EU-Durchschnitt von rund 12 %.

Das zeigt, dass der litauische Milchsektor viel empfindlicher auf Marktveränderungen reagiert als in vielen anderen EU-Ländern.

Vytenis Grigas: Das Problem ist nicht nur der Preis, sondern auch die Struktur

Die Diskussionen in Brüssel konzentrierten sich laut Vytenis Grigas, stellvertretender Vorsitzender der EAA, auf den Generationswechsel und die Zukunft des Milchsektors.

„Der Milchsektor in Europa ist nach wie vor sehr wichtig, aber er steht vor ernsthaften Herausforderungen: Preisschwankungen, steigende Produktionskosten, Umweltauflagen und ein immer komplexerer Generationswechsel. Junge Landwirte fragen sich zunehmend, ob es sich lohnt, Milchwirtschaft zu betreiben", sagte Herr Grigas.

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Die Struktur des Sektors in Litauen macht diese Herausforderungen noch deutlicher, sagte er.

„In Litauen haben wir viele kleinere Betriebe, eine schwächere Zusammenarbeit und einen stark konzentrierten Verarbeitungssektor. Das bedeutet, dass die Landwirte oft eine geringere Verhandlungsmacht haben und einen niedrigeren Preis für Rohmilch erhalten", stellt V. Grigas fest.

Die Milcherzeugung in Europa wächst, aber der Markt bleibt unbeständig

Experten der Europäischen Kommission schätzen, dass die Milcherzeugung in der EU bis zum Jahr 2025 leicht um etwa 1,6 % ansteigen wird, dass aber die Veränderungen bei der Erzeugung der verschiedenen Milchprodukte uneinheitlich sein werden.

Zum Beispiel:

  • Die Butterproduktion steigt um rund 6 %,
  • die Produktion von Magermilchpulver – rund 4%,
  • aber die Produktion von Konsummilch ging um etwa 1% zurück,
  • und Kondensmilch – sogar um mehr als 10%.

Dies zeigt, dass sich der Markt an die globale Nachfrage anpasst und gleichzeitig die Abhängigkeit von Produkten für den Export zunimmt.

Was könnte Litauen tun?

Wenn Litauen die Milchwirtschaft als einen der wichtigsten Zweige der Landwirtschaft erhalten will, sind laut Grigo eine Reihe von strategischen Maßnahmen erforderlich.

  • Verstärkung der Zusammenarbeit

Kooperationen helfen Landwirten in vielen EU-Ländern, bessere Preise und mehr Verhandlungsmacht auf dem Markt zu erzielen.

  • Stimulierung der Verarbeitung und Wertschöpfung

Ein großer Teil der litauischen Milch wird als Rohmaterial oder als Produkte mit geringer Wertschöpfung exportiert.

  • Generationenwechsel sichern

Junglandwirte meiden oft die Milchviehhaltung wegen der hohen Investitionen und der unsicheren Einkommen.

  • Fairere Preise auf dem EU-Markt anstreben

Litauen muss nach Ansicht von Herrn Grigas das Problem der Preisungleichheit auf EU-Ebene aktiver ansprechen.

„Es kann nicht sein, dass im gleichen Binnenmarkt die Landwirte in einigen Ländern viel mehr für ihre Milch bekommen als die in anderen. Das verzerrt den Wettbewerb und macht den Sektor für die junge Generation weniger attraktiv", sagte er.

Die Zukunft des Milchsektors – eine strategische Frage

Bei den Gesprächen in Brüssel ging es auch um die künftige EU-Strategie für die Viehwirtschaft, die noch in diesem Jahr vorgelegt werden soll. Sie könnte einen großen Einfluss auf die Zukunft des Milchsektors in Europa haben.

Litauen sollte sich aktiv an diesen Diskussionen beteiligen, so Grigo.

„Der litauische Milchsektor ist nicht nur das Rückgrat der Wirtschaft, sondern auch der ländlichen Vitalität. Wenn es uns nicht gelingt, wettbewerbsfähige Bedingungen für die Landwirte zu gewährleisten, riskieren wir den Verlust des gesamten Sektors", betonte der stellvertretende Vorsitzende der EAA.

Das Hauptziel müsse klar sein: eine Milchpolitik zu entwickeln, die den Landwirten stabile Einkommen sichert und einen lebendigen ländlichen Raum in Litauen erhält.

 

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