Der „Shamonda“-Virus auf europäischen Milchviehbetrieben: Was die WOAH und die WHO bestätigt haben
Im Oktober 2026 änderte sich die Einschätzung des in europäischen Milchviehherden festgestellten „Shamonda“-Virus: In Frankreich wurde die erste dokumentierte Infektion beim Menschen gemeldet, und die Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) veröffentlichte am 21. Oktober detailliertere Daten zu zwei in Europa nachgewiesenen Virusvarianten. Die Daten zu diesem einzelnen Fall reichen jedoch nicht aus, um eine Gefahr einer breiteren Ansteckung oder die Rolle der Infektion beim Tod des Patienten festzustellen.
Zwei Varianten in Europa nachgewiesen
Die WOAH gibt bekannt, dass im Jahr 2026 in Europa zwei „Shamonda“-Varianten entdeckt wurden – SHAV-EU1 und SHAV-EU2. Das Virus gehört zur Simbu-Gruppe, zu der auch das Schmallenberg-Virus gehört. Nach Angaben der WHO wurden die ersten Fälle in Europa in Deutschland und der Schweiz festgestellt, später auch in anderen westeuropäischen Ländern.
Das französische Landwirtschaftsministerium hat Fälle in Milchviehherden mehrerer Departements bestätigt und schätzt die Auswirkungen bislang als gering ein. Die WOAH weist darauf hin, dass die Datenabdeckung je nach Land unterschiedlich ist, weshalb das gesamte Ausmaß der Verbreitung und der Auswirkungen noch nicht ermittelt wurde.
Welche möglichen Folgen hat die Infektion für Kühe?
Die WOAH nennt Fieber, Durchfall, Milchleistungsabfall, Fehlgeburten und Störungen der Fötusentwicklung als mit der Infektion in Verbindung stehende Symptome. Das Auftreten dieser Symptome allein bestätigt noch nicht die Diagnose „Shamonda“: Eine Laboruntersuchung ist erforderlich, da die Symptome auch für andere Krankheiten charakteristisch sind. Die WOAH beschreibt Polymerase-Kettenreaktions-Tests (PCR) als mögliche Diagnosemethoden.
Der wichtigste bekannte Übertragungsweg sind die Stiche der blutsaugenden Culicoides-Mücken. Derzeit gibt es keine Hinweise auf eine direkte Ansteckung von Nutztieren durch normalen Kontakt, jedoch wurde die Übertragung des Virus von einer infizierten Mutter auf ihr Fötus beschrieben. Kommerzielle Impfstoffe sind nicht verfügbar.
Was bedeutet der erste Fall beim Menschen?
Am 22. Oktober bestätigte die WHO den ersten dokumentierten Krankheitsfall beim Menschen im Zusammenhang mit dem „Shamonda“-Virus. Nach Angaben aus Frankreich und der WOAH litt der Patient an einer schweren Immunschwäche und einer weiteren schweren Erkrankung. Die WOAH betont, dass der Infektionsweg, der mögliche Beitrag des Virus zum Tod des Patienten sowie die weiterreichenden Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit weiterhin untersucht werden.
Das französische Ministerium weist darauf hin, dass die derzeit vorliegenden wissenschaftlichen Daten keine Übertragung von „Shamonda“ auf den Menschen durch den Verzehr von Milch, Fleisch oder deren Erzeugnissen belegen. Dies ist eine Einschätzung des aktuellen Standes der Erkenntnisse durch die Behörde und keine endgültige Feststellung aller möglichen Infektionswege.
Was wird offiziell empfohlen, auf den Betrieben zu beobachten
Das französische Ministerium rät, bei Fieber, einem plötzlichen Rückgang der Milchleistung oder Durchfall während der Fliegenzeit einen Tierarzt aufzusuchen, anschließend Fortpflanzungsstörungen zu beobachten und neugeborene Kälber mit klinischen Symptomen zu untersuchen. Es weist außerdem darauf hin, die Anzahl der Brutstätten der Mücken zu verringern und die Tiere vor den Überträgern zu schützen.
Die WOAH fordert die Staaten auf, Fälle freiwillig zu melden. Das französische Ministerium weist darauf hin, dass diese Infektion an sich keine obligatorische Schlachtung der Tiere nach sich zieht; dies stellt keine Bestätigung der veterinärrechtlichen Entscheidung Litauens dar.