EU-Kommissar C. Hansen: In 25 Jahren könnten bis zu 90 Prozent der derzeitigen Landwirte das Rentenalter erreichen – wer wird dann die Lebensmittel produzieren?
Der für Landwirtschaft und Ernährung zuständige EU-Kommissar Christophe Hansen, betonte in einer öffentlichen Videobotschaft, dass der Generationswechsel in der Landwirtschaft eine der wichtigsten Herausforderungen für die Zukunft der Europäischen Union sei. Anlässlich des ersten Jahrestags der Strategie zum Generationswechsel stellte der EU-Kommissar Initiativen vor, die darauf abzielen, die Chancen junger Landwirte auf Finanzierung, Zugang zu Land und die Übernahme von Betrieben zu verbessern. Der Vorsitzende des litauischen Verbandes junger Landwirte und Jugend (LJŪJS), Dr. Paulius Astrauskas, weist darauf hin, dass sich die auf europäischer Ebene bekundete Unterstützung auch in konkreten nationalen Entscheidungen widerspiegeln muss.
Die europäische Landwirtschaft steht vor der Herausforderung des Generationswechsels
Die Zukunft der europäischen Landwirtschaft hängt zunehmend davon ab, ob es gelingt, die junge Generation zu gewinnen und ihr die Voraussetzungen zu schaffen, sich in diesem Sektor zu etablieren. In einer öffentlichen Videoansprache wies EU-Kommissar Christophe Hansen auf besorgniserregende demografische Trends hin.
„Die Regale unserer Supermärkte mögen zwar voll sein, doch die Realität sieht so aus, dass in den nächsten 25 Jahren 90 Prozent der heutigen Landwirte das Rentenalter erreichen werden. Für mich sind das nicht nur Statistiken“ – betonte der EU-Kommissar.
Seinen Angaben zufolge sei die Unterstützung junger Landwirte von Beginn seiner Amtszeit an zu einer der wichtigsten Prioritäten seiner Arbeit geworden. C. Hansen betonte, dass er, um die Probleme der Junglandwirte besser zu verstehen, direkt mit ihnen in Kontakt getreten sei – er habe landwirtschaftliche Betriebe, Landwirtschaftsschulen und Messen besucht sowie an politischen Dialogen der Europäischen Union teilgenommen.
Auf der Grundlage dieser Diskussionen wurde vor einem Jahr die Strategie der Europäischen Union zum Generationswechsel verabschiedet, deren Ziel es ist, jungen Landwirten günstigere Bedingungen für die Aufnahme und Fortführung landwirtschaftlicher Tätigkeiten zu schaffen.
Finanzierung, Land und Betriebsübernahme – die drei wichtigsten Schwerpunkte
Der EU-Kommissar hob die wichtigsten Hindernisse hervor, mit denen junge Landwirte in Europa konfrontiert sind. Das erste ist der Zugang zu Finanzmitteln. Für den Einstieg in die landwirtschaftliche Tätigkeit sind erhebliche Investitionen in Land, Maschinen, Gebäude und Produktionstechnologien erforderlich. Für junge Menschen, die noch kein Eigenkapital angesammelt haben, stellt die Finanzierung jedoch oft eines der größten Hindernisse dar.
C. Hansen berichtete über ein neues Finanzierungsinstrument, das derzeit zur Lösung dieses Problems entwickelt wird.
Der zweite Schwerpunkt – der Zugang zu Land. Die Europäische Kommission arbeitet bereits am Aufbau einer Erdbeobachtungsstelle und bildet eine neue Expertengruppe, die sich mit landwirtschaftlichen Fragen befassen wird.
Dritter Schwerpunkt – Wissen, Kompetenzen und Mentoring. In diesem Bereich sind Initiativen vorgesehen, die sich auf die Beteiligung von Frauen in der Landwirtschaft, den Austausch bewährter Verfahren sowie Forschung und Innovation beziehen.
„Konkrete Maßnahmen. Konkrete Unterstützung. Und das ist erst der Anfang“, erklärte der EU-Kommissar in seiner Ansprache. Er betonte zudem, dass die Vorschläge für die künftige Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) die Grundlage für weitere Entscheidungen bilden: gezielte finanzielle Unterstützung, ein Startpaket für junge Menschen, die in die Landwirtschaft einsteigen wollen, sowie Hilfe bei der Übernahme von Betrieben.
Am Ende seiner Ansprache wandte sich C. Hansen direkt an die junge Generation von Landwirten: „Wir hoffen auf euren Beitrag, und ihr könnt auf meine Unterstützung zählen.“
Die jungen Landwirte aus Litauen stellten ihre Probleme direkt dem EU-Kommissar vor
Die vom EU-Kommissar geäußerten Gedanken sind besonders relevant für den Verband der jungen Landwirte und der Jugend Litauens, dessen Vertreter sich am 27. Oktober in Brüssel mit C. Hansen trafen.
An dem Treffen nahmen der Vorsitzende des LJŪJS, Dr. Paulius Astrauskas, sowie Mitglieder des Verbandes teil. Die litauische Delegation stellte dem EU-Kommissar die Situation der Junglandwirte im Land vor und überreichte ihm eine Resolution zum Generationswechsel, zur Unterstützung junger Landwirte und zu einer gerechteren Verteilung der Agrarbeihilfen.
Die Vertreter der litauischen Junglandwirte betonten, dass es nicht ausreiche, lediglich die Bedeutung des Generationswechsels zu betonen. Junge Menschen müssen reale Möglichkeiten haben, Land zu erwerben oder zu pachten, Finanzmittel zu erhalten, in die Modernisierung ihrer Betriebe zu investieren und mit landwirtschaftlichen Betrieben zu konkurrieren, die über mehr Kapital verfügen.
Nach Ansicht des LJŪJS muss im Förderungssystem den Junglandwirten und den Landwirten, die Familienbetriebe übernehmen, mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, und die Finanzierungsinstrumente müssen die langfristige wirtschaftliche Lebensfähigkeit der Betriebe gewährleisten.
In der von der Vereinigung vorgelegten Resolution werden Fragen zur langfristigen Einkommensstützung für Junglandwirte, zur wirksamen Begrenzung der Höchstzahlungen, zur Kontrolle verbundener Unternehmen und zu einer transparenteren Verteilung der Fördermittel aufgeworfen.
Dr. Paulius Astrauskas: Europäische Unterstützung muss in nationale Lösungen münden
Der Vorsitzende der LJŪJS, Dr. Paulius Astrauskas, betont, dass das Augenmerk der Europäischen Kommission auf Junglandwirte ein wichtiges Signal sei, die entscheidende Frage jedoch laute: wie die politischen Verpflichtungen in der Praxis umgesetzt werden.
Die Position des Verbandes lässt sich klar zusammenfassen: Die Chancen junger Landwirte dürfen nicht allein von ihrer Entschlossenheit abhängen, eine Existenz zu gründen. Es müssen gerechtere Wettbewerbsbedingungen, der Zugang zu Land und eine langfristige Förderpolitik gewährleistet werden.
LJŪJS betont, dass sich die auf europäischer Ebene bekundete Unterstützung für Junglandwirte auch in den politischen Entscheidungen Litauens widerspiegeln muss.
Der Verband hofft auf einen konstruktiven Dialog mit Vertretern der nationalen Regierung und auf konkrete Maßnahmen, die zur Lösung der Probleme der jungen Landwirte in Litauen beitragen würden.
Es ist besonders wichtig, dass bei der Ausarbeitung der künftigen Agrarpolitik die Organisationen junger Landwirte von Anfang an in den Entscheidungsprozess einbezogen werden, und dass ihre Vorschläge nicht nur formal, sondern im Hinblick auf ihre tatsächlichen Auswirkungen auf die Gründung und den Ausbau von landwirtschaftlichen Betrieben bewertet werden.
Der litauische EU-Ratsvorsitz – eine Gelegenheit, den Generationswechsel auf die europäische Agenda zu setzen
Bei einem Treffen mit Vertretern junger Landwirte aus Litauen wies EU-Kommissar C. Hansen auch auf den bevorstehenden litauischen Vorsitz im Rat der Europäischen Union im Jahr 2027 hin.
Diese Zeit könnte für Litauen eine wichtige Gelegenheit sein, Themen wie den Generationswechsel, die Finanzierung junger Landwirte und die langfristige Ernährungssicherheit auf europäischer Ebene aktiver anzusprechen.
Der Generationswechsel in der Landwirtschaft ist nicht nur ein Problem einzelner Landwirte oder ihrer Familien. Er steht in direktem Zusammenhang mit der Lebensfähigkeit ländlicher Gebiete, dem Fortbestand der lokalen Lebensmittelproduktion, der regionalen Wirtschaft und der Fähigkeit der Europäischen Union, die Lebensmittelversorgung in Zukunft sicherzustellen.
Daher müssen die Entscheidungen zur künftigen GAP auch danach bewertet werden, inwieweit sie dazu beitragen, dass sich eine neue Generation von Landwirten in der Landwirtschaft etablieren kann.
Sind Europa und Litauen wirklich bereit für den Generationswechsel?
Die Ansprache des EU-Kommissars Christophe Hansen und das Treffen mit Vertretern junger Landwirte aus Litauen in Brüssel verdeutlichen ein gemeinsames Ziel – eine Agrarpolitik zu gestalten, die nicht nur die Stabilität der heutigen Betriebe gewährleistet, sondern auch die Chancen der zukünftigen Landwirte-Generation sichert.
Die zentrale Herausforderung bleibt jedoch dieselbe: Wie lassen sich politische Prioritäten in wirksame Maßnahmen umsetzen?
Junge Landwirte benötigen mehr als nur kurzfristige Unterstützung für den Start ihrer Tätigkeit. Sie benötigen langfristige Finanzierungsmöglichkeiten, zugängliches Land, fairere Wettbewerbsbedingungen, einen geringeren Verwaltungsaufwand und eine klare Politik zur Betriebsübergabe.
Der Verband der jungen Landwirte und der Jugend Litauens betont, dass nur konsequente Entscheidungen auf EU- und nationaler Ebene einen erfolgreichen Generationswechsel in der Landwirtschaft gewährleisten können.
Die Aussage des EU-Kommissars, dass junge Landwirte auf seine Unterstützung zählen können, sendet ein wichtiges Signal. Nun kommt es vor allem darauf an, dass diese Zusage durch konkrete politische Entscheidungen umgesetzt wird, die der jungen Generation eine echte Chance bieten, ihre Zukunft in der litauischen und europäischen Landwirtschaft zu gestalten.
Anmerkung der Redaktion: In dem Artikel wird die von Ihnen vorgelegte Stellungnahme des EU-Kommissars wörtlich zitiert. Direkte Zitate von Dr. Paulius Astrauskas sind in dem vorgelegten Material jedoch nicht enthalten, weshalb seine Position und die der LJŪJS nur indirekt wiedergegeben werden. Um ein authentisches Zitat von ihm in Anführungszeichen veröffentlichen zu können, wäre eine vom Vorsitzenden selbst bestätigte Stellungnahme erforderlich.